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Freiheitszahl berechnen 25x Regel: 7 Schritte ohne Bullshit

Fabian Waizenhöfer  ·  11 Min Lesezeit  ·  Guide
Freiheitszahl berechnen 25x Regel — der Moment, in dem die Rechnung kippt

Die Freiheitszahl berechnen 25x Regel gibt dir eine klare Zahl: Jahresausgaben mal 25 gleich Zielkapital. Dahinter steht die 4-Prozent-Entnahmeregel — eine Formel aus der Trinity-Studie, die seit Jahren durch die FIRE-Community geistert. Ich halte die Formel für einen guten Anfang, aber für Europa und lange Horizonte oft zu optimistisch. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du die Rechnung korrekt durchziehst, wo die Steuerfallen liegen und welche Anpassungen 2026 wirklich zählen.

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Was ist die 25x-Regel — und warum wird sie so oft falsch verstanden?

Die 25x-Regel stammt aus der Trinity-Studie von 1998, einer Untersuchung über sichere Entnahmeraten aus einem gemischten Portfolio. Die Forscher testeten historische Börsenverläufe in den USA und fanden: Eine anfängliche Entnahme von 4 Prozent des Depots — jährlich inflationsangepasst — überlebte in fast allen 30-Jahres-Zeiträumen. Kehrwert: 100 geteilt durch 4 ergibt 25. Also Jahresausgaben mal 25 gleich Zielkapital.

Das Problem: Die Studie basiert auf US-Daten, auf einem 30-Jahres-Horizont und auf historischen Renditen, die wir in Europa so nicht hatten. Für Deutschland und die Schweiz werden oft eher 3 bis 3,5 Prozent Entnahmerate diskutiert — also Faktor 28,6 oder 33 statt 25. Wer mit 40 Jahren aufhört zu arbeiten, braucht sein Vermögen für 50 bis 60 Jahre; bei so langen Horizonten sinkt die Erfolgsrate der 4-Prozent-Regel.

Der häufigste Irrtum: Die 25x-Regel ist keine Garantie, sondern eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sie sagt nicht, dass dein Geld niemals ausgeht — sie sagt, dass es in den meisten historischen Fällen gereicht hat. Die Zukunft kann anders laufen, besonders wenn die Bewertungen hoch sind und die Renditen niedrig.

Ein konkretes Beispiel: Angenommen, du brauchst 3’000 Franken pro Monat, also 36’000 Franken im Jahr. Nach der klassischen 25x-Regel brauchst du 900’000 Franken investiertes Kapital. Klingt machbar. Aber wenn du mit 40 aufhörst und bis 90 lebst, sind das 50 Jahre Entnahmephase. Die Trinity-Studie hat nur 30 Jahre getestet. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld ausgeht, steigt mit jedem zusätzlichen Jahr. Deshalb ist Faktor 33 die vorsichtigere Rechnung: Das ergibt 1’188’000 Franken — fast 300’000 mehr. Alle Zahlen hier sind Rechenbeispiele, keine Prognose und keine Anlageberatung.

Noch ein Detail, das viele übersehen: Die 4-Prozent-Regel setzt ein Portfolio aus 50 bis 75 Prozent Aktien voraus. Wer sein Geld auf dem Tagesgeldkonto liegen hat, für den funktioniert die Rechnung nicht. Die Rendite muss die Inflation ausgleichen und gleichzeitig die Entnahmen decken. Das geht nur mit investiertem Kapital, nicht mit Cash.

Freiheitszahl berechnen — Jahresausgaben tracken ohne Bullshit
So trackst du Ausgaben: jeden Monat erfassen, dann hochrechnen

Wie berechne ich meine Freiheitszahl konkret — Schritt für Schritt?

Die Rechnung selbst ist simpel. Zuerst erfasst du deine tatsächlichen Jahresausgaben — nicht geschätzt, sondern getracked. Ich empfehle, mindestens drei Monate alle Ausgaben zu protokollieren und dann auf zwölf Monate hochzurechnen. Vergiss nichts: Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Steuern, Krankenversicherung, Urlaub, alle unregelmässigen Posten wie Reparaturen oder Nachzahlungen.

Warum drei Monate Minimum? Weil viele Menschen ihre Ausgaben unterschätzen. Du denkst, du brauchst 2’500 Franken im Monat, aber wenn du trackst, sind es plötzlich 3’200. Diese 700 Franken Differenz bedeuten über die 25x-Regel gerechnet 210’000 Franken mehr Zielkapital. Ein grosser Unterschied. Dafür nimmst du am besten eine einfache Excel-Tabelle oder einen klassischen Haushaltsplaner, in dem du jede Ausgabe notierst: Datum, Kategorie, Betrag. Nach drei Monaten siehst du klare Muster.

Dann multiplizierst du diese Summe mit dem Faktor deiner Wahl. Bei der klassischen 4-Prozent-Regel ist das 25. Bei 3,5 Prozent rechnest du mit 28,6, bei 3 Prozent mit 33. Beispiel: Du brauchst 36’000 Franken im Jahr. Bei Faktor 25 ergibt das 900’000 Franken. Bei Faktor 33 sind es 1’188’000 Franken — eine Differenz von fast 300’000.

Der dritte Schritt: Steuern und Sozialabgaben einrechnen. In Deutschland zahlst du Abgeltungsteuer (26,375 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag), gemildert durch die Teilfreistellung bei Aktien-ETFs (30 Prozent) und den Sparerpauschbetrag (1’000 Euro für Singles, 2’000 Euro für Paare). Dazu kommen Krankenversicherungsbeiträge: Als freiwillig Versicherter ohne Anspruch auf Krankengeld zahlst du 14,0 Prozent plus Zusatzbeitrag, auch auf Kapitalerträge, mindestens etwa 220 Euro pro Monat, dazu die Pflegeversicherung. Diese Kosten müssen in dein Jahresbudget.

In der Schweiz ist die Steuerlast kantonal unterschiedlich, aber du zahlst Einkommenssteuer auf Dividenden und Zinsen sowie eine Vermögenssteuer auf das Depot. Lass dich im Zweifel von einer Steuerfachperson beraten. Auch hier gilt: Diese Beträge gehören ins Budget, bevor du die 25x-Regel anwendest.

Ein Beispiel: Angenommen, du trackst ein Jahr lang jede Ausgabe, von der Miete über den Kaffee bis zur Autoversicherung, und kommst am Ende auf 42’000 Franken pro Jahr — 6’000 mehr als deine Schätzung von 36’000. Mit Faktor 33 bedeutet das 1’386’000 Franken Zielkapital. Ohne Tracking hättest du mit 1’188’000 geplant und rund 200’000 zu niedrig gelegen.

  1. Jahresausgaben erfassenErfasse alle Ausgaben über mindestens drei Monate — Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Steuern, Krankenversicherung, Urlaub, unregelmässige Posten. Dann rechnest du auf zwölf Monate hoch. Nur echte Zahlen.
  2. Steuern und Sozialabgaben addierenIn Deutschland kommen Abgeltungsteuer (26,375 Prozent inkl. Soli, gemildert durch Teilfreistellung und Pauschbetrag) und Kranken- und Pflegeversicherung dazu. In der Schweiz Einkommens- und Vermögenssteuer auf Kapital. Ins Jahresbudget.
  3. Faktor wählenDie klassische 25x-Regel gilt für 4% Entnahmerate. Für längere Horizonte oder Europa rechne mit 3–3,5% — Faktor 28,6 oder 33. Je länger der Zeitraum, desto konservativer der Faktor.
  4. Zielkapital berechnenMultipliziere dein Jahresbudget mit dem Faktor. Beispiel: 36’000 Franken Jahresausgaben mal 33 ergibt 1’188’000 Franken Zielkapital. Das ist die Summe, die du investiert brauchst — nicht auf dem Bankkonto.
  5. Cash-Puffer separat anlegenRechne zwei bis drei Jahresausgaben zusätzlich zur FIRE-Zahl, nicht als Teil davon. Dieser Puffer fängt schlechte Börsenjahre zu Beginn ab — das grösste Risiko der 4-Prozent-Regel.
  6. Jährlich neu rechnenDie Freiheitszahl ist keine fixe Grösse. Prüfe jährlich, ob Ausgaben gestiegen sind, ob Inflation dein Budget verändert hat und ob sich Steuern oder Krankenversicherung geändert haben. Passe die Zahl an.
  7. Bewertungsniveau berücksichtigenDie Trinity-Studie nutzte historische S&P 500-Renditen. Bei hohen Bewertungen (hohe CAPE-Ratio) besteht das Risiko niedrigerer Zukunftsrenditen. Dann kann es sinnvoll sein, vorsichtiger zu rechnen, etwa 3% statt 4%.

Fabis Tipp

Meine Freiheitszahl ist einfach der Lohn, mit dem ich jetzt zurechtkomme. Alles darüber ist Luxus – und Geld zum Weiterinvestieren.

— Fabi

Fabian Waizenhöfer

Welche Steuern und Abgaben muss ich in Deutschland einplanen?

In Deutschland zahlst du auf Kapitalerträge die Abgeltungsteuer: 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 Prozent. Bei Aktien-ETFs greift die Teilfreistellung von 30 Prozent — das heisst, nur 70 Prozent der Erträge werden versteuert. Effektiv zahlst du dann rund 18,5 Prozent auf Dividenden und Kursgewinne, mit Kirchensteuer etwas mehr. Bei thesaurierenden ETFs wird ausserdem in der Regel jedes Jahr die Vorabpauschale versteuert, auch ohne Verkauf.

Dazu kommt der Sparerpauschbetrag: 1’000 Euro für Singles, 2’000 Euro für Paare. Bis zu dieser Grenze bleiben Kapitalerträge steuerfrei. Erst darüber greift die Abgeltungsteuer. Wichtig: Entnimmst du Geld, indem du Anteile verkaufst, ist nur der Gewinn darin steuerpflichtig — der Verkaufserlös minus die Anschaffungskosten, bei thesaurierenden ETFs zusätzlich gemindert um die schon versteuerten Vorabpauschalen. Ausschüttungen dagegen zählen ganz als Ertrag. Beispiel: Du bekommst 36’000 Euro Ausschüttungen im Jahr aus einem Aktien-ETF. Nach Teilfreistellung sind das 25’200 Euro zu versteuernde Erträge. Abzüglich Pauschbetrag bleiben 24’200 Euro, darauf zahlst du rund 6’383 Euro Steuern.

Die Krankenversicherung ist die grössere Überraschung. Als freiwillig Versicherter in der gesetzlichen Krankenversicherung ohne Anspruch auf Krankengeld zahlst du 14,0 Prozent plus den kassenindividuellen Zusatzbeitrag auf alle Einnahmen — auch auf Kapitalerträge. Der monatliche Mindestbeitrag liegt 2026 bei etwa 220 Euro, das sind 2’640 Euro im Jahr. Dazu kommt die Pflegeversicherung. Diese Beträge musst du in dein Jahresbudget einrechnen, bevor du die 25x-Regel anwendest.

Ein konkretes Rechenbeispiel: Angenommen, du bekommst 40’000 Euro Ausschüttungen pro Jahr. Nach Teilfreistellung sind 28’000 Euro steuerpflichtig. Abzüglich Sparerpauschbetrag 1’000 Euro bleiben 27’000 Euro. Darauf zahlst du 26,375 Prozent, also rund 7’121 Euro Steuern. Dazu kommen Kranken- und Pflegeversicherung — bei solchen Einnahmen deutlich mehr als der Mindestbeitrag. Diese Beträge gehören in dein Budget, sonst planst du mit falschen Zahlen.

Wer in der privaten Krankenversicherung ist, zahlt einen festen Beitrag, der unabhängig vom Einkommen ist. Allerdings steigt dieser Beitrag mit dem Alter — oft deutlich. Ich empfehle, die Beitragsentwicklung der letzten zehn Jahre zu prüfen und konservativ hochzurechnen. Viele Privatversicherte erleben im Alter böse Überraschungen, wenn der Beitrag von 400 auf 800 Euro steigt.

Freiheitszahl berechnen — Steuern und Krankenversicherung einplanen

Wie unterscheidet sich die Rechnung in der Schweiz?

In der Schweiz gibt es keine Abgeltungsteuer. Stattdessen zahlst du Einkommenssteuer auf Dividenden und Zinsen — der Satz hängt von deinem Kanton und deinem Gesamteinkommen ab. Dazu kommt die Vermögenssteuer: Sie wird jährlich auf dein gesamtes Vermögen erhoben, auch auf das Depot. Die Höhe variiert stark zwischen den Kantonen und Gemeinden.

Auch in der Schweiz gilt: Diese Kosten gehören ins Jahresbudget. Wer 36’000 Franken im Jahr durch Verkauf von Anteilen entnimmt, zahlt auf den Kursgewinn darin keine Einkommenssteuer — der ist im Privatvermögen steuerfrei. Einkommenssteuer fällt auf die Erträge an, also Dividenden und Zinsen, auch thesaurierte, und auf das Depot die Vermögenssteuer. Rechne beides vorher ein, sonst ist deine Freiheitszahl zu niedrig angesetzt.

Die Krankenversicherung ist in der Schweiz obligatorisch und wird über monatliche Prämien bezahlt, nicht über Prozentsätze auf Einkommen. Die Prämien variieren nach Kanton, Alter und Franchise. Auch dieser Betrag muss fix in dein Budget.

Ein Gedankenbeispiel: Bei einem Vermögen von 1’000’000 Franken fällt je nach Kanton und Gemeinde eine Vermögenssteuer von einigen tausend Franken pro Jahr an. Dazu kommt die Einkommenssteuer auf die Dividenden und Zinsen. Rechne die Beträge für deinen Wohnort mit dem Steuerrechner deines Kantons aus — auch das muss ins Budget.

In der Schweiz kommen für vorzeitig Pensionierte AHV-, IV- und EO-Beiträge als Nichterwerbstätige dazu. Sie richten sich nach dem Vermögen und dem 20-fachen jährlichen Renteneinkommen (Merkblatt 2.03 der AHV/IV-Stellen, Stand 1. Januar 2026). Lass dir den Betrag vorher von der zuständigen Ausgleichskasse berechnen.

Wer die Freiheitszahl berechnen 25x Regel in der Schweiz anwendet, sollte zusätzlich den Wohnsitzkanton genau prüfen. Ein Umzug in einen steuergünstigeren Kanton kann die Steuerlast deutlich senken, ein Umzug in einen teureren sie erhöhen. Das ist kein Steuertrick, sondern legale Optimierung — und kann über die Machbarkeit deiner FIRE-Zahl mitentscheiden.

Freiheitszahl 25x Regel — Zahlen, die 2026 zählen

  • 4 %Entnahmerate laut Trinity-Studie — für 30 Jahre, US-Daten
  • 3–3,5Entnahmerate, die für Europa und lange Horizonte oft diskutiert wird, in Prozent
  • 26,38Abgeltungsteuer inkl. Soli in Deutschland, in Prozent — gemildert durch Teilfreistellung
  • 1’000Sparerpauschbetrag Singles Deutschland in Euro — 2’000 Euro Paare
  • 220Mindestbeitrag Krankenversicherung pro Monat Deutschland in Euro, ohne Pflegeversicherung — Stand 2026

Was ist das Sequence-of-Returns-Risiko — und warum ist es wichtiger als die Durchschnittsrendite?

Das Sequence-of-Returns-Risiko ist das grösste Problem der 4-Prozent-Regel. Es besagt: Die Reihenfolge der Renditen ist wichtiger als der Durchschnitt. Zwei Anleger mit identischem Depot, identischer Durchschnittsrendite und identischer Entnahmerate können völlig unterschiedliche Ergebnisse haben — je nachdem, ob die schlechten Jahre am Anfang oder am Ende ihrer Entnahmephase liegen.

Ein Beispiel: Anleger A startet seine Entnahmen in einem Bullenmarkt, die ersten fünf Jahre laufen gut. Anleger B startet zur gleichen Zeit in einem Bärenmarkt, die ersten fünf Jahre sind rot. Beide haben über 30 Jahre dieselbe Durchschnittsrendite. Anleger A hat am Ende noch Kapital übrig. Anleger B kann nach 20 Jahren pleite sein. Der Unterschied liegt in der Reihenfolge.

Deshalb halte ich einen Cash-Puffer für sinnvoll. Wenn die ersten Jahre nach deinem Ausstieg schlecht laufen, entnimmst du aus dem Puffer statt aus dem Depot. Das Depot kann sich dann eher erholen, ohne dass du bei niedrigen Kursen verkaufen musst. Ich halte zwei bis drei Jahresausgaben in Cash für sinnvoll — zusätzlich zur Freiheitszahl, nicht als Teil davon.

Konkret: Angenommen, du hörst 2008 auf zu arbeiten, genau zu Beginn der Finanzkrise. Dein Depot verliert im ersten Jahr 40 Prozent. Wenn du jetzt 4 Prozent entnimmst, verkaufst du Anteile zu Tiefstpreisen. Das Depot erholt sich danach zwar, aber die Erholung kann nicht mehr reichen, weil schon so viel Substanz verbraucht ist. Dann schrumpft das Depot womöglich weiter. Hättest du die ersten zwei Jahre aus einem Cash-Puffer entnommen, wäre das Depot weniger geschrumpft und hätte sich eher erholen können — ob und wie schnell, weiss vorher niemand.

Die Mathematik dahinter: Wenn dein Depot von 1’000’000 auf 600’000 fällt und du gleichzeitig 40’000 entnimmst, hast du nur noch 560’000. Um wieder auf 1’000’000 zu kommen, brauchst du nicht 40 Prozent Rendite, sondern 78,6 Prozent. Der Weg zurück ist immer länger als der Weg nach unten. Deshalb ist der Cash-Puffer keine Kleinigkeit, sondern eine sinnvolle Absicherung gegen das Sequence-of-Returns-Risiko — wenn auch keine Garantie.

Der Münzstapel unter dem Schirm bleibt stehen, der ohne Schirm kippt im Regen um — Cash-Puffer gegen das Sequence-of-Returns-Risiko

Warum ist die CAPE-Ratio 2026 ein Warnsignal — und wie passe ich meine Freiheitszahl an?

Die CAPE-Ratio (Cyclically Adjusted Price-Earnings-Ratio) ist eine Bewertungskennzahl für den Aktienmarkt. Sie vergleicht den aktuellen Kurs mit den durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinnen der letzten zehn Jahre. Ein hoher CAPE-Wert bedeutet: Der Markt ist teuer. Ein niedriger Wert bedeutet: Der Markt ist günstig.

Der CAPE-Wert des S&P 500 liegt seit einiger Zeit deutlich über dem historischen Mittelwert von rund 17 — den aktuellen Wert findest du auf multpl.com. Historisch folgten auf hohe CAPE-Werte eher niedrigere Renditen in den nächsten 10 bis 15 Jahren — sicher ist das nicht. Das heisst: Wer heute mit der 4-Prozent-Regel plant, geht von Renditen aus, die in den letzten Jahrzehnten möglich waren, aber vielleicht künftig nicht mehr realistisch sind.

Eine vorsichtigere Anpassung, die ich für nachvollziehbar halte (keine Anlageberatung): Bei hohen Bewertungen eher mit 3 Prozent Entnahmerate rechnen statt mit 4. Das heisst Faktor 33 statt 25. Das kostet mehr Zeit beim Sparen, gibt aber vermutlich mehr Sicherheit, dass das Kapital hält.

Wenn die Renditen der folgenden Jahre niedriger ausfallen, reicht das möglicherweise nicht, um gleichzeitig 4 Prozent zu entnehmen und die Inflation auszugleichen. Wer bei hohen Bewertungen startet, kann deshalb vorsichtiger planen — die Entnahmerate senken oder mehr Kapital ansparen. Eine Prognose ist das nicht.

Eine gute Quelle dafür ist multpl.com für historische CAPE-Daten. Dort siehst du die aktuelle Bewertung im Vergleich zu den letzten 150 Jahren. Das hilft dir, einzuschätzen, ob du gerade in einem teuren oder günstigen Markt planst.

Freiheitszahl 25x Regel — Irrtümer, die dich am meisten kosten

  • 25x-Regel gilt überall, für jeden HorizontFür Europa/lange Horizonte eher Faktor 28–33
  • Steuern, Krankenversicherung kommen späterSteuern/Sozialabgaben ins Budget, vor Multiplikation
  • Cash-Puffer ist Teil der FreiheitszahlPuffer zusätzlich — zwei bis drei Jahresausgaben
  • Durchschnittsrendite zählt, Reihenfolge egalReihenfolge wichtiger — Sequence-of-Returns-Risiko
  • Kapital liegt auf Bankkonto, wirft Zinsen abKapital muss investiert sein, sonst funktioniert’s nicht

Welche Tools und Rechner helfen mir bei der Freiheitszahl — und welche sind Geldverschwendung?

Es gibt unzählige Online-Rechner für die FIRE-Zahl. Die meisten sind zu simpel: Sie fragen nach deinen Ausgaben, multiplizieren mit 25 und fertig. Was fehlt: Steuern, Krankenversicherung, Inflation, Sequence-of-Returns-Risiko, CAPE-Anpassung. Ich halte solche Rechner für einen Anfang, aber nicht für eine Entscheidungsgrundlage.

Besser ist eine einfache Tabellenkalkulation, in der du alle Positionen selbst einträgst: Jahresausgaben, Steuern, Sozialabgaben, Inflation, gewünschte Entnahmerate, Cash-Puffer. So siehst du, welche Stellschrauben es gibt und was passiert, wenn du einen Wert änderst. Das dauert eine Stunde, aber du verstehst danach, wie die Rechnung funktioniert.

Für die ernsthafte Planung empfehle ich ein gutes Buch über FIRE und Entnahmestrategien. Die Trinity-Studie selbst ist online frei verfügbar und erklärt die Logik hinter der 4-Prozent-Regel besser als jeder Rechner. Wer plant, mit 40 aufzuhören zu arbeiten, sollte die Grundlagen verstehen, nicht nur eine Zahl kopieren.

Zusätzlich hilft ein schlichtes Finanzplaner-Notizbuch, in dem du alle Annahmen, Berechnungen und Anpassungen dokumentierst. Das klingt altmodisch, aber du kannst darin Szenarien durchspielen, Notizen machen und später nachvollziehen, warum du eine bestimmte Entscheidung getroffen hast. So überprüfst du die Freiheitszahl jedes Jahr bewusst, statt blind einer alten Excel-Datei zu vertrauen.

Meine Empfehlung

Ein solider Haushalts-Planer hilft dir, deine tatsächlichen Ausgaben zu tracken — die Grundlage jeder Freiheitszahl. Ohne echte Zahlen rechnest du mit Fantasie.

Freiheitszahl 25x Regel — Kapital und Entnahmerate im Überblick

Wie baue ich die Freiheitszahl in meine langfristige Finanzplanung ein — ohne den Job sofort zu kündigen?

Die Freiheitszahl ist ein Ziel, kein Schalter. Für mich beginnt die Freiheitszahl bei dem, was ich im Monat zum Leben brauche und womit ich jetzt zurechtkomme — alles darüber ist Luxus und zum Weiterinvestieren da. Daraus leitet sich das Zielkapital ab: Jahresausgaben mal Faktor. Ich halte nichts davon, am Tag X aufzuhören und danach nur noch vom Depot zu leben. Mein Ziel ist nicht Ruhestand, sondern Unabhängigkeit. Beim Zeitpunkt setze ich lieber sportlich an: Wer sich fünf Jahre gibt, hat es nach fünf Jahren vielleicht immer noch nicht und braucht sechs. Lieber etwas früher ansetzen — dann erreicht man es auch. Wer nach dem Erreichen weiterarbeitet, kann mit dem zusätzlichen Einkommen das Depot weiter wachsen lassen oder weniger als 4 Prozent entnehmen.

Konkret: Sobald du die Freiheitszahl erreicht hast, ändert sich dein Verhältnis zur Arbeit. Du bist nicht mehr abhängig vom Gehalt. Du kannst Nein sagen, Projekte ablehnen, in Teilzeit gehen. Die Zahl gibt dir Optionen, keine Pflicht.

Rechne die Freiheitszahl in deine Sparrate ein. Beispiel: Du willst in zehn Jahren 1’188’000 Franken haben und hast heute 300’000. Bei angenommenen 6 Prozent Rendite pro Jahr (nur eine Rechnung, keine Prognose) wachsen die 300’000 bis dahin auf rund 540’000 — es fehlen also rund 650’000. Dafür brauchst du rund 4’000 Franken Sparrate pro Monat. Ist das realistisch? Wenn nicht, passt du entweder die Zahl oder die Zeit an. Lieber ehrlich rechnen als sich etwas vormachen.

Ein weiterer Punkt: Die Freiheitszahl gibt dir einen Rahmen für Entscheidungen. Bekommst du ein Jobangebot, das mehr zahlt, aber dich stresst, kannst du ausrechnen, wie viel schneller du dein Ziel erreichst. Sind drei Jahre früher in Freiheit die zusätzlichen 50 Stunden Arbeit pro Woche wert? Manchmal ja, manchmal nein. Aber du hast eine Zahl, an der du es festmachen kannst.

Die Freiheitszahl hilft auch, die eigenen Ausgaben zu hinterfragen. Jede Ausgabe, die du dauerhaft reduzierst, senkt deine Zielzahl. Senkst du deine Miete um 200 Franken, sparst du bei Faktor 33 rund 79’200 Franken Zielkapital. Das ist ein starker Hebel. Deshalb lohnt sich einmal im Jahr die Frage: Welche Ausgaben sind dir wirklich wichtig? Welche kannst du streichen, ohne Lebensqualität zu verlieren? Die Freiheitszahl macht diese Abwägung messbar.

Finanzielle Freiheit ohne Bullshit

Was beim Vermögensaufbau zählt — und welche Fehler du vermeidest

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Was sind die häufigsten Fehler bei der Berechnung der Freiheitszahl — und wie vermeide ich sie?

Der häufigste Fehler: Ausgaben schätzen statt tracken. Viele Menschen unterschätzen ihre tatsächlichen Ausgaben deutlich. Sie rechnen mit 3’000 Franken im Monat, brauchen aber vielleicht 4’000. Die Freiheitszahl ist dann viel zu niedrig, und nach ein paar Jahren geht das Geld aus. Mein Rat: Mindestens drei Monate tracken, besser ein ganzes Jahr. Nur echte Zahlen zählen.

Zweiter Fehler: Steuern und Krankenversicherung vergessen. Viele rechnen nur die Lebenshaltungskosten, aber nicht die Abgaben, die auf Kapitalerträge anfallen. In Deutschland kommen schnell mehrere tausend Euro im Jahr zusammen — siehe die Beispiele oben —, in der Schweiz je nach Kanton ähnlich. Wer das nicht einrechnet, liegt am Ende deutlich zu niedrig: Jeder Franken, der im Jahresbudget fehlt, fehlt bei Faktor 25 fünfundzwanzigfach im Zielkapital.

Dritter Fehler: Die 25x-Regel blind übernehmen, ohne sie anzupassen. Die Formel stammt aus den USA, aus einer Zeit mit niedrigeren Bewertungen und kürzeren Horizonten. Ich halte es für besser, konservativ zu rechnen und später positiv überrascht zu werden, als umgekehrt.

Vierter Fehler: Den Cash-Puffer als Teil der Freiheitszahl zu sehen. Der Puffer ist zusätzlich, nicht inklusive. Wenn du 36’000 Franken im Jahr brauchst und dein Zielkapital steht, brauchst du noch 72’000 bis 108’000 Franken Cash on top — für zwei bis drei Jahresausgaben. Sonst hast du keine Absicherung gegen das Sequence-of-Returns-Risiko.

Fünfter Fehler: Die Freiheitszahl einmal auszurechnen und dann nie wieder anzufassen. Deine Ausgaben ändern sich, die Steuern ändern sich, die Inflation ändert sich, deine Lebensumstände ändern sich. Rechne deine Zahl jedes Jahr neu — am besten immer im selben Monat. Das dauert zwei Stunden, aber du weisst danach, ob du auf Kurs bist oder etwas anpassen musst.

Die Freiheitszahl ist kein Schalter — sie gibt dir Optionen, keine Pflicht.

— Meine Haltung zu FIRE

Häufige Fragen

Kann ich die 25x-Regel auch für Teilzeit-FIRE nutzen?
Ja. Rechne einfach nur die Ausgaben, die du aus dem Depot decken willst. Der Rest läuft über dein Teilzeit-Gehalt. Die Formel bleibt gleich: Jahresausgaben aus Depot mal Faktor ergibt Zielkapital.
Muss das Kapital in ETFs liegen oder geht auch Festgeld?
Die 4-Prozent-Regel setzt voraus, dass das Kapital investiert ist und Rendite erwirtschaftet. Festgeld bringt meist deutlich weniger als erhofft — oft zu wenig, um inflationsangepasst zu entnehmen. Es muss ein gemischtes Portfolio sein.
Wie oft muss ich meine Freiheitszahl neu berechnen?
Mindestens einmal im Jahr. Prüfe, ob deine Ausgaben gestiegen sind, ob sich Steuern oder Krankenversicherung geändert haben und ob die Inflation dein Budget verändert hat. Die Zahl ist keine Konstante.
Was passiert, wenn ich die Freiheitszahl erreicht habe und der Markt sofort crasht?
Genau dafür ist der Cash-Puffer da. Du entnimmst die ersten zwei bis drei Jahre aus dem Puffer, nicht aus dem Depot. So kann sich das Depot erholen, ohne dass du bei niedrigen Kursen verkaufen musst. Ohne Puffer ist das Sequence-of-Returns-Risiko dein grösstes Problem.
Sollte ich die Freiheitszahl berechnen 25x Regel auch für die AHV/Rente anpassen?
Ja. In der Schweiz kommt die AHV, in Deutschland die gesetzliche Rente. Diese Beträge kannst du von deinen Jahresausgaben abziehen — aber nur für die Zeit ab Renteneintritt. Wer mit 40 aufhört, muss die ersten 25 Jahre ohne AHV/Rente planen und erst ab 65 oder 67 mit reduziertem Kapitalbedarf rechnen.

Fazit

Unterm Strich: Die Freiheitszahl ist die einfachste Rechnung in der ganzen Finanzplanung. Jahresausgaben mal Faktor. Fertig. Was schwer ist: die echten Ausgaben zu kennen, Steuern und Sozialabgaben einzurechnen, den richtigen Faktor zu wählen und das Sequence-of-Returns-Risiko zu verstehen. Wer das macht, hat eine Zahl, die trägt. Wer es nicht macht, hat eine Fantasiezahl.

Die 25x-Regel ist ein guter Anfang, aber für Europa und lange Horizonte oft zu optimistisch. Ich würde lieber mit Faktor 33 rechnen, einen Cash-Puffer zusätzlich halten und die Zahl jährlich anpassen. Das dauert länger, ist aber ehrlicher als eine Zahl, die du dir schönrechnest und die in zehn Jahren nicht mehr stimmt. Das sind Rechenbeispiele, keine Anlageberatung.

Mehr zur praktischen Umsetzung findest du in meinem Artikel über finanzielle Freiheit mit Vollzeitjob und im Guide zum ersten ETF-Sparplan in der Schweiz. Die Freiheitszahl ist der Kompass — der Sparplan ist der Weg dorthin.

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