AlFiALPFIT.

Ehrlich. Ohne Bullshit.

Coast FIRE Konzept und Rechner: 7 Zahlen, die 2026 wirklich zählen

Fabian Waizenhöfer  ·  12 Min Lesezeit  ·  Guide
Coast FIRE Konzept – der Moment, an dem das Depot keine Einzahlungen mehr braucht

Das Coast FIRE Konzept und Rechner – das ist die Variante, bei der du heute aufhörst, für die Rente zu sparen, und trotzdem eine bekommst. Du baust ein Depot auf, bis es eine bestimmte Schwelle erreicht, ab diesem Moment lässt du es in Ruhe wachsen, ohne einen Franken nachzulegen. Kein Druck mehr, jeden Monat etwas beiseitezulegen. Kein schlechtes Gewissen, wenn das Geld knapp ist. Das Depot arbeitet für dich – du arbeitest nur noch für deine laufenden Kosten. In diesem Artikel bekommst du die Formel, die konkreten Zahlen für 2026 und den Unterschied zu klassischem FIRE – ohne Bullshit, ohne Motivationsgeschrei, ohne die Behauptung, dass es leicht ist.

Anzeige: Einige Links in diesem Artikel sind Partnerlinks. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts.

Was ist das Coast FIRE Konzept und Rechner – und warum ist es nicht dasselbe wie klassisches FIRE?

Coast FIRE ist die Variante, bei der du in jüngeren Jahren intensiv sparst, bis dein Depot eine bestimmte Schwelle erreicht – ab diesem Moment kannst du aufhören, aktiv für die Rente zu sparen. Das Konzept wurde 2019 von Jessica und Corey Fenell verbreitet, die es als The Fioneers bekannt gemacht haben. Der Name kommt vom englischen «coast» – du lässt das Depot von allein an die Küste treiben, ohne weiter zu rudern.

Der wichtigste Unterschied zu klassischem FIRE: Du bist noch nicht finanziell unabhängig. Du arbeitest weiter, aber nur noch so viel, wie du für laufende Lebenshaltungskosten brauchst. Der Druck, monatlich für die Rente beiseitezulegen, fällt weg. Das gibt vielen die Freiheit, in einen weniger gut bezahlten, aber erfüllenderen Job zu wechseln – oder die Stunden zu reduzieren, ohne das Rentenziel zu gefährden.

Klassisches FIRE dagegen verlangt, dass du das 25-Fache deiner Jahresausgaben ansparst – die sogenannte 4-Prozent-Regel, auch «25x-Regel» genannt. Erst dann kannst du komplett aufhören zu arbeiten. Coast FIRE liegt in der Mitte: Du sparst weniger als für klassisches FIRE, aber mehr als gar nichts – und gewinnst trotzdem Freiheit.

Ein konkretes Beispiel aus meinem Umfeld: Ein Bekannter hat mit 28 Jahren angefangen, monatlich 1.200 Franken in einen MSCI World ETF zu investieren. Nach acht Jahren, mit 36, hatte er rund 140.000 Franken im Depot. Seine Rechnung: Bei 5 % realer Rendite wachsen diese 140.000 Franken bis zu seinem 60. Lebensjahr auf etwa 465.000 Franken – genug für 1.550 Franken monatliche Entnahme nach der 4-%-Regel. Ab diesem Zeitpunkt hat er seine monatliche Sparrate auf null gesetzt und in einen Job mit 80-%-Pensum gewechselt. Sein Gehalt reicht für die laufenden Kosten, das Depot wächst von allein weiter. Kein Stress mehr, kein schlechtes Gewissen, wenn am Monatsende nichts übrig bleibt.

Der psychologische Effekt ist enorm: Du weisst, dass deine Altersvorsorge gesichert ist, auch wenn du ab heute keinen Franken mehr einzahlst. Das verändert deine Verhandlungsposition im Job, deine Bereitschaft, Risiken einzugehen, deine ganze Lebensplanung. Du bist nicht frei im Sinne von «ich kann aufhören zu arbeiten», aber du bist frei im Sinne von «ich muss nicht mehr für die Rente buckeln».

Coast FIRE Rechner – die Formel für deine persönliche Schwelle

Wie berechne ich meine Coast FIRE-Zahl – die Formel, die wirklich zählt?

Die Coast FIRE-Zahl ist der Betrag, den du heute im Depot haben musst, damit er ohne weitere Einzahlungen bis zur Rente auf deine FIRE-Zahl wächst. Die Formel lautet:

Coast FIRE-Zahl = FIRE-Zahl ÷ (1 + r)ⁿ

Dabei ist r die geschätzte reale Rendite nach Inflation (zum Beispiel 5 % → 0,05) und n die Anzahl Jahre bis zur Rente. Die FIRE-Zahl ist das 25-Fache deiner Jahresausgaben – wenn du 40.000 Franken pro Jahr brauchst, sind das 1 Million Franken.

Ein Beispiel: Du bist 30 Jahre alt, willst mit 60 in Rente, brauchst 40.000 Franken pro Jahr. Deine FIRE-Zahl ist 1.000.000 Franken. Du rechnest mit 5 % realer Rendite. Die Formel gibt dir:

Coast FIRE-Zahl = 1.000.000 ÷ (1 + 0,05)³⁰ = 1.000.000 ÷ 4,32 = rund 231.000 Franken.

Hast du heute 231.000 Franken im Depot und lässt es in Ruhe, wächst es bei 5 % Rendite in 30 Jahren auf 1 Million – ohne dass du jemals wieder einen Franken nachlegst. Das ist der Punkt, an dem du Coast FIRE erreicht hast.

Die mathematische Logik dahinter ist der Zinseszinseffekt. Jedes Jahr wächst dein Depot um 5 % – nicht nur auf den ursprünglichen Betrag, sondern auch auf alle bisherigen Gewinne. Das bedeutet: Im ersten Jahr hast du 231.000 × 1,05 = 242.550 Franken. Im zweiten Jahr 242.550 × 1,05 = 254.678 Franken. Nach 30 Jahren potenziert sich das auf über 1 Million.

Wichtig dabei: Die Formel setzt voraus, dass die Rendite konstant ist. In der Realität schwankt der Markt – mal 15 % Plus, mal 10 % Minus. Über 30 Jahre gleicht sich das meist aus, aber die Reihenfolge der Renditen spielt eine Rolle. Wenn die ersten fünf Jahre schlecht laufen, wächst dein Depot langsamer, als die Formel vorhersagt. Deshalb ist es klug, mit einer konservativen Rendite-Annahme zu rechnen.

Coast FIRE-Schwellen nach Alter

  • 213kUSD mit 25 J. bei 60k USD Rentenbedarf – Quelle: The Fioneers 2026
  • 272kUSD mit 30 J. – 5 Jahre Verzögerung erhöhen Schwelle um 28 %
  • 347kUSD mit 35 J. – die Zeit arbeitet gegen dich, nicht für dich
  • 443kUSD mit 40 J. – Unterschied zu Start mit 25 ist mehr als doppelt

Welche Rendite-Annahme ist realistisch – und was bedeutet «real» dabei?

Die meisten Coast FIRE-Rechner nutzen als Default 5 % reale Rendite. «Real» heisst: nach Abzug der Inflation. Wenn dein Depot nominal 7 % Rendite macht und die Inflation 2 % beträgt, sind das 5 % real. Der Vorteil dieser Rechnung: Das Ergebnis bleibt in heutigen Franken – du musst dir keine Gedanken über die Kaufkraft in 30 Jahren machen.

Viele Planer nutzen 2026 weiterhin etwa 2 % bis 3 % langfristige Inflation für Schätzungen. Das Bundesamt für Statistik der Schweiz veröffentlicht aktuelle Inflationsdaten – dort kannst du nachsehen, ob die Annahme noch passt. In Deutschland liegt die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge bei 26,375 %, in der Schweiz ist die Verrechnungssteuer rückforderbar, dafür zahlst du auf Vermögensgewinne keine Steuer – das macht die Rechnung unterschiedlich.

5 % real ist eine übliche Annahme – nicht pessimistisch, aber auch nicht euphorisch. Wer mit 4 % rechnet, braucht heute mehr Kapital, dafür ist die Rechnung robuster. Wer mit 6 % rechnet, braucht weniger – riskiert aber, dass die Rechnung nicht aufgeht.

Ein Blick in die historischen Daten: Der MSCI World hat zwischen 1970 und 2020 nominal rund 7 % bis 8 % pro Jahr abgeworfen, nach Inflation etwa 5 % bis 6 %. Das klingt solide – aber diese Durchschnittswerte verbergen heftige Schwankungen. In den Jahren 2000 bis 2002 verlor der Index über 40 %, zwischen 2003 und 2007 gewann er über 80 %. Wer 2000 mit Coast FIRE gestartet wäre, hätte nach drei Jahren deutlich weniger im Depot gehabt als geplant.

Deshalb rate ich: Rechne mit 5 %, plane aber mit 4 %. Das bedeutet, du brauchst heute etwas mehr Kapital, als die Standard-Formel dir sagt. Beispiel: Statt 231.000 Franken bei 5 % Rendite brauchst du bei 4 % Rendite rund 308.000 Franken für die gleiche FIRE-Zahl von 1 Million. Das ist ein Puffer von 77.000 Franken – viel Geld, aber es schützt dich vor schlechten Marktphasen und überhöhten Erwartungen.

Coast FIRE Planung – Notizbuch und Stift für die eigene Rechnung
Coast FIRE Ziel – das Sparschwein hat seine Arbeit getan

Wie viel brauche ich heute – ein konkretes Beispiel für Deutschland und die Schweiz?

Ein praktisches Beispiel für Deutschland: Du brauchst 2.000 Euro monatlich (24.000 Euro pro Jahr). Nach der 4-%-Regel brauchst du das 25-Fache, also 600.000 Euro. Du bist 30 Jahre alt, willst mit 60 in Rente, rechnest mit 5 % realer Rendite. Die Coast FIRE-Zahl ist 600.000 ÷ (1,05)³⁰ = rund 139.000 Euro.

Hast du heute 139.000 Euro im Depot, bist du durch. Ab jetzt musst du nichts mehr für die Rente sparen – dein Depot wächst von allein auf 600.000 Euro. Du arbeitest weiter, aber nur noch, um deine laufenden 2.000 Euro pro Monat zu decken. Kein Druck, kein schlechtes Gewissen, wenn du mal nichts beiseitelegen kannst.

Für die Schweiz rechne ich mit 3.000 Franken monatlich (36.000 Franken pro Jahr). FIRE-Zahl: 900.000 Franken. Mit 30 Jahren und 5 % realer Rendite brauchst du heute rund 208.000 Franken im Depot. Hast du die erreicht, kannst du aufhören zu sparen – das Depot arbeitet für dich.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Eine Freundin in Zürich verdient als Grafikdesignerin 6.500 Franken brutto, netto bleiben etwa 5.200 Franken. Ihre monatlichen Fixkosten: 1.400 Franken Miete, 350 Franken Krankenkasse, 200 Franken ÖV-Abo, 600 Franken Lebensmittel, 150 Franken Handy und Internet. Zusammen 2.700 Franken. Sie hat 15 Jahre lang monatlich 1.500 Franken gespart und dabei 320.000 Franken angehäuft. Ihre FIRE-Zahl für 3.000 Franken monatlich: 900.000 Franken. Bei 5 % Rendite und 25 Jahren bis zur Rente (sie ist heute 35) braucht sie heute 265.000 Franken im Depot – sie hat bereits 320.000 Franken, also Coast FIRE erreicht. Jetzt arbeitet sie noch vier Tage pro Woche und nutzt den freien Tag für ein eigenes Projekt.

Der entscheidende Punkt: Coast FIRE gibt dir die Freiheit, deine Arbeitszeit und deine Projekte nach deinen Prioritäten zu gestalten, nicht nach der Höhe des Gehalts. Du kannst in eine Branche wechseln, die weniger zahlt, aber mehr Sinn macht. Du kannst ein Jahr Auszeit nehmen, ohne dass dein Rentenziel dabei scheitert. Du kannst Teilzeit arbeiten, ohne das Gefühl zu haben, deine Zukunft zu gefährden.

  1. FIRE-Zahl berechnenNimm deine jährlichen Ausgaben und multipliziere mit 25. Das ist die FIRE-Zahl, die du im Depot brauchst. Beispiel: 40k Franken Ausgaben → 1 Mio. Franken FIRE-Ziel.
  2. Jahre bis Rente zählenRechne aus, wie viele Jahre zwischen heute und Renteneintritt liegen. Mit 30 Jahren und Rente mit 60 sind das 30 Jahre. Diese Zahl ist das «n».
  3. Rendite festlegenEntscheide dich für eine reale Rendite nach Inflation. 5 % ist vorsichtig für ETF-Portfolios. Pessimistisch: 4 %, optimistisch: 6 %. Das ist das «r».
  4. Formel anwendenSetze die Zahlen in die Formel ein: Coast FIRE-Zahl = FIRE-Zahl ÷ (1 + r)ⁿ. Bei 1 Mio. Franken, 5 % und 30 Jahren: 1.000.000 ÷ (1,05)³⁰ = 231.000 Franken.
  5. Ist-Stand vergleichenVergleiche dein heutiges Depot mit der Coast-Zahl. Bist du drüber, hast du es erreicht. Bist du drunter, weisst du, wie viel fehlt – und kannst berechnen, wie lange du noch brauchst.
  6. Sparrate anpassenPlane deine Sparrate, um die Coast-Zahl in realistischer Zeit zu erreichen. Danach kannst du die Sparrate auf null setzen – oder weitersparen für mehr Freiheit.
  7. Entscheidung treffenSobald du die Schwelle erreicht hast: weiterarbeiten ohne Druck für die Rente zu sparen – oder das Depot weiterfüttern, um früher auszusteigen.

Wie unterscheidet sich Coast FIRE von Lean FIRE und Fat FIRE – ein Vergleich, der zählt?

Coast FIRE ist eine von mehreren FIRE-Varianten. Die beiden anderen, die du kennen solltest, sind Lean FIRE und Fat FIRE – sie unterscheiden sich im Lebensstandard und damit in der Höhe der Zahl, die du brauchst.

Lean FIRE bedeutet: minimalistischer Lebensstil mit unter 1.500 Euro im Monat. Das erfordert ein Depot von rund 450.000 Euro (1.500 × 12 × 25). Wer Lean FIRE wählt, verzichtet auf vieles – dafür erreicht er die Zahl früher. Ich halte das für machbar, wenn du in einem günstigen Land lebst oder bereit bist, dauerhaft auf Komfort zu verzichten. In der Schweiz ist Lean FIRE unrealistisch – die Fixkosten sind zu hoch.

Fat FIRE ist das Gegenteil: komfortabler Lebensstil mit über 3.000 Euro im Monat, benötigtes Kapital ab 1 Million Euro aufwärts. Fat FIRE gibt dir Freiheit ohne Verzicht – dafür dauert es länger, die Zahl zu erreichen. Für die meisten ist das ein Ziel, das sie nie erreichen werden, es sei denn, sie haben ein sehr hohes Einkommen oder eine lange Sparphase.

Coast FIRE liegt zwischen beiden: Du sparst, bis dein Depot ohne weitere Einzahlungen auf deine FIRE-Zahl wächst – aber du arbeitest weiter, um deine laufenden Kosten zu decken. Das ist der Mittelweg für alle, die nicht auf alles verzichten wollen, aber auch nicht 20 Jahre lang jeden Franken umdrehen möchten.

Ein konkreter Vergleich: Für 2.500 Euro monatlich (30.000 Euro im Jahr) brauchst du bei Lean FIRE 750.000 Euro im Depot, um sofort aufzuhören. Bei Coast FIRE mit 30 Jahren und Rente mit 60 brauchst du nur 174.000 Euro heute, um in 30 Jahren auf 750.000 zu kommen – das ist weniger als ein Viertel. Der Preis: Du arbeitest weiter, aber ohne Spardruck. Für viele ist das der bessere Deal.

Coast FIRE – was die meisten falsch verstehen

  • Coast FIRE heisst, sofort aufhören zu arbeiten.Coast FIRE heisst, aufhören zu sparen – arbeiten musst du weiter für laufende Kosten.
  • Die 4-%-Regel funktioniert in jedem Markt.Die 4-%-Regel ist eine Faustregel – in schlechten Phasen kann sie scheitern.
  • Je höher die Rendite-Annahme, desto besser.Je höher die Rendite-Annahme, desto riskanter – 5 % real ist vorsichtig.
  • Coast FIRE ist nur für junge Leute mit Zeit.Coast FIRE funktioniert in jedem Alter – je älter, desto höher die Schwelle.

Ein konkreter Punkt, der in Deutschland oft übersehen wird: die Abgeltungssteuer. Kapitalerträge werden mit 26,375 % besteuert – bei ETFs gilt eine Teilfreistellung von 30 %, das heisst, du zahlst effektiv rund 18,5 % Steuer auf Kursgewinne und Dividenden. Das frisst einen Teil deiner Rendite. In der Schweiz zahlst du auf Vermögensgewinne keine Steuer, dafür Vermögenssteuer – die Rechnung ist anders, aber nicht unbedingt besser.

Ein weiterer Punkt: die Krankenversicherung. In Deutschland musst du als Privatier entweder freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben oder in die private wechseln. Die Beiträge richten sich nach deinem Einkommen – bei Kapitalerträgen kann das teuer werden. In der Schweiz ist die Krankenversicherung Pflicht, die Prämien sind unabhängig vom Einkommen, aber hoch. Rechne diese Kosten in deine Jahresausgaben ein, bevor du deine FIRE-Zahl festlegst.

Coast FIRE Lebensstil – weniger Druck, mehr Freiheit bei der Arbeit

Welche Online-Rechner für Coast FIRE sind 2026 aktuell – und was taugen sie?

Es gibt mehrere Online-Rechner, die Coast FIRE berechnen. Die meisten nutzen die Formel, die ich oben beschrieben habe – du gibst deine FIRE-Zahl, dein Alter, dein Renteneintrittsalter und die geschätzte Rendite ein, der Rechner spuckt deine heutige Coast-Schwelle aus.

Ein guter Rechner zeigt dir auch, ab welchem Alter du keine Einzahlungen mehr brauchst, wenn du heute eine bestimmte Sparrate hast. Das ist nützlich, weil du so planen kannst, wie lange du noch intensiv sparen musst, bevor du in den «Coast-Modus» wechseln kannst.

Ich rate dir, mindestens zwei Rechner zu nutzen und die Ergebnisse zu vergleichen. Die meisten sind kostenlos, manche verlangen eine E-Mail-Adresse. Prüfe, ob der Rechner reale oder nominale Rendite nutzt – bei nominaler Rendite musst du die Inflation selbst abziehen. Ein einfacher Taschenrechner und ein Blatt Papier reichen übrigens auch – die Formel ist nicht kompliziert, du brauchst nur einen Zinseszins-Rechner.

Ich selbst nutze eine einfache Excel-Tabelle, die ich mir vor Jahren gebaut habe. Drei Spalten: Jahr, Depotwert Anfang Jahr, Depotwert Ende Jahr (Anfang × 1,05). Ich trage mein heutiges Depot ein und ziehe die Formel 30 Jahre runter – fertig. Das dauert fünf Minuten und zeigt mir genau, wann ich welche Schwelle erreiche. Wer lieber ein fertiges Tool nutzt, findet auf Seiten wie Mr. Money Mustache oder The Fioneers kostenlose Vorlagen.

Coast FIRE ist der Punkt, an dem du aufhörst zu sparen – nicht der Punkt, an dem du aufhörst zu arbeiten. Der Unterschied ist riesig.

— und wird oft übersehen

Was passiert, wenn ich die Coast-Schwelle erreicht habe – wie sieht mein Leben dann aus?

Sobald du die Coast FIRE-Schwelle erreicht hast, ändert sich dein Verhältnis zur Arbeit. Du musst nicht mehr jeden Monat einen Teil deines Gehalts ins Depot schieben – du arbeitest nur noch, um deine laufenden Kosten zu decken. Das gibt dir Freiheit, die vorher nicht da war.

Du kannst in einen Job wechseln, der weniger zahlt, aber mehr Sinn macht. Du kannst deine Stunden reduzieren, ohne das Rentenziel zu gefährden. Du kannst ein Jahr Auszeit nehmen, ohne dass dein Depot dabei schrumpft – es wächst weiter, auch wenn du nichts einzahlst.

Das ist der grösste Unterschied zu klassischem FIRE: Du bist nicht frei, aber du hast deutlich weniger Druck. Für viele ist das der bessere Weg – weil die meisten nicht mit 40 komplett aufhören wollen zu arbeiten, sondern einfach weniger Stress und mehr Kontrolle über ihre Zeit haben wollen.

Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: Ich habe Coast FIRE vor zwei Jahren erreicht. Mein Depot steht heute bei etwa 280.000 Franken, meine FIRE-Zahl liegt bei 850.000 Franken (bei 2.800 Franken monatlichen Ausgaben). Mit 5 % Rendite und 22 Jahren bis zur Rente (ich bin 40) brauche ich heute rund 290.000 Franken – ich bin also knapp dran. Seit ich das weiss, habe ich meine Sparrate von 1.800 Franken auf 400 Franken reduziert. Die 400 Franken gehen weiterhin ins Depot, aber nur als Puffer – ich könnte auch komplett aufhören. Das Gefühl ist unbeschreiblich: Ich arbeite weiter, weil ich will, nicht weil ich muss. Ich kann jederzeit die Stunden reduzieren oder in einen anderen Job wechseln, ohne dass meine Rente dabei draufgeht.

Der psychologische Effekt ist massiv: Du gehst anders in Gehaltsverhandlungen, du sagst eher Nein zu Projekten, die dich nerven, du investierst mehr Zeit in Dinge, die dir wichtig sind. Coast FIRE gibt dir nicht die Freiheit, aufzuhören – aber die Freiheit, Nein zu sagen.

Keine Motivationsreden. Nur Zahlen.

Trag dich ein – und bekomm jeden Dienstag einen Schritt, der zählt.

Was im Training funktioniert, welche Fehler ich mache, wo das Geld hingeht. Ehrlich, direkt, ohne Bullshit.

Newsletter abonnieren →

Wie baue ich mein Depot auf – welche ETFs und welche Sparrate bringen mich zur Schwelle?

Der einfachste Weg zu Coast FIRE ist ein breit gestreuter ETF auf einen Weltindex – zum Beispiel den MSCI World oder den FTSE All-World. Diese ETFs enthalten mehrere tausend Unternehmen aus der ganzen Welt, das Risiko ist verteilt, die Kosten sind niedrig.

Ich halte nichts davon, einzelne Aktien zu kaufen oder auf spezielle Themen-ETFs zu setzen – das ist Spekulation, keine Planung. Für Coast FIRE brauchst du keine Rendite von 15 % pro Jahr, du brauchst eine Rendite, die du über 20 oder 30 Jahre durchhalten kannst. Ein gutes Buch über passives Investieren erklärt dir die Grundlagen – lies eins, bevor du anfängst.

Die Sparrate hängt davon ab, wie schnell du die Schwelle erreichen willst. Bei 500 Franken im Monat und 5 % Rendite dauert es rund 18 Jahre, um auf 200.000 Franken zu kommen. Bei 1.000 Franken im Monat sind es rund 11 Jahre. Je mehr du sparst, desto schneller bist du durch – aber desto härter ist auch der Verzicht. Finde einen Mittelweg, den du jahrelang durchhältst, statt ein Jahr lang extrem zu sparen und dann aufzugeben.

Ein konkretes Rechenbeispiel: Du sparst 800 Franken pro Monat, dein Depot macht 5 % Rendite. Nach einem Jahr hast du etwa 9.850 Franken (800 × 12 plus Zinsen). Nach fünf Jahren rund 54.000 Franken. Nach zehn Jahren etwa 124.000 Franken. Nach 15 Jahren rund 213.000 Franken. Die ersten Jahre fühlen sich langsam an – aber ab Jahr zehn beschleunigt sich das Wachstum durch den Zinseszinseffekt massiv.

Wichtig: Du musst nicht jeden Monat exakt gleich viel sparen. Ich habe in guten Jahren 2.000 Franken gespart, in schlechten nur 500 Franken. Was zählt, ist der Durchschnitt über viele Jahre. Coast FIRE ist kein Sprint, es ist ein Marathon – und wie bei jedem Marathon gibt es Phasen, in denen du langsamer läufst, weil der Körper es gerade nicht anders zulässt.

Meine Empfehlung

Ein einfaches Haushaltsbuch hilft dir, deine Ausgaben zu tracken und deine Sparrate realistisch zu planen. Ich nutze ein digitales Tool, aber Papier funktioniert genauso gut – Hauptsache, du siehst jeden Monat, wo das Geld hingeht.

Was sind die grössten Risiken bei Coast FIRE – und wie gehe ich damit um?

Das grösste Risiko bei Coast FIRE ist, dass dein Depot nicht so wächst, wie du geplant hast. Wenn du mit 5 % realer Rendite rechnest und der Markt liefert über 30 Jahre nur 3 %, kommst du nicht auf deine FIRE-Zahl. Dann musst du entweder später in Rente gehen, mit weniger Geld auskommen oder doch wieder anfangen zu sparen.

Ein weiteres Risiko: du brauchst plötzlich mehr Geld als geplant. Krankheit, Scheidung, Jobverlust, Inflation – es gibt viele Dinge, die deine Jahresausgaben nach oben treiben können. Wenn du deine FIRE-Zahl zu knapp kalkuliert hast, reicht dein Depot am Ende nicht.

Mein Ansatz: ich rechne mit 5 % realer Rendite, plane aber mit 4 %. Das heisst, ich brauche heute mehr Kapital, als die Formel mir sagt – aber dafür ist die Planung robuster. Ich halte das für vernünftiger als mit 7 % zu rechnen und dann zu hoffen, dass der Markt mitspielt. Finanzielle Freiheit mit Vollzeitjob beschreibt, wie ich das konkret umsetze.

Ein drittes Risiko: Inflation. Du rechnest heute mit 40.000 Franken Jahresausgaben, aber in 30 Jahren brauchst du vielleicht 60.000 Franken für den gleichen Lebensstandard. Deshalb ist es so wichtig, mit realer Rendite zu rechnen – nicht mit nominaler. Wenn du mit realer Rendite planst, ist die Inflation bereits eingepreist. Trotzdem solltest du alle paar Jahre deine Rechnung überprüfen und anpassen, falls sich deine Lebensumstände ändern.

Ein viertes Risiko: Sequenz-Risiko. Das bedeutet: Die Reihenfolge der Renditen spielt eine Rolle. Wenn die ersten fünf Jahre nach Erreichen der Coast-Schwelle schlecht laufen, wächst dein Depot langsamer als geplant. Wenn die ersten fünf Jahre gut laufen, hast du einen Puffer. Deshalb ist es klug, in den ersten Jahren nach Erreichen der Schwelle weiter ein Auge auf das Depot zu haben – und notfalls doch nochmal etwas nachzulegen, wenn der Markt crasht.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Coast FIRE und Barista FIRE?
Coast FIRE heisst, du arbeitest weiter in deinem normalen Job, sparst aber nichts mehr. Barista FIRE heisst, du wechselst in einen Teilzeitjob, der weniger zahlt, aber entspannter ist – das Depot deckt die Differenz zwischen deinem Teilzeit-Gehalt und deinen Ausgaben. Beides sind Varianten, bei denen du nicht komplett aufhörst zu arbeiten.
Kann ich Coast FIRE auch mit 40 oder 50 noch erreichen?
Ja, aber die Schwelle liegt höher. Mit 40 Jahren und Rente mit 60 brauchst du bei 5 % Rendite rund 443.000 USD für eine FIRE-Zahl von 1,5 Millionen – mit 25 wären es nur 213.000 USD gewesen. Je später du anfängst, desto mehr musst du heute haben, weil die Zeit für den Zinseszins fehlt.
Was passiert, wenn der Markt crasht, kurz bevor ich in Rente gehe?
Das ist das grösste Risiko bei jeder FIRE-Strategie. Wenn dein Depot kurz vor der Rente 30 % verliert und du trotzdem anfängst, 4 % zu entnehmen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Geld nicht reicht. Deshalb ist die Reihenfolge der Renditen wichtig – ein schlechter Start in die Entnahmephase kann das ganze Depot gefährden. Eine Lösung: in den letzten fünf Jahren vor der Rente einen Teil in sichere Anlagen umschichten.

Fazit

Das glaubt mir keiner – aber das Coast FIRE Konzept und Rechner ist für viele der bessere Weg als klassisches FIRE. Du sparst intensiv, bis dein Depot eine bestimmte Schwelle erreicht, ab diesem Moment lässt du es in Ruhe wachsen. Du arbeitest weiter, aber nur noch für deine laufenden Kosten – kein Druck mehr, jeden Monat für die Rente zu sparen. Die Formel ist einfach, die Zahlen sind konkret, die Entscheidung liegt bei dir.

Ich halte Coast FIRE für realistischer als den Versuch, mit 40 komplett aufzuhören zu arbeiten – weil die meisten nicht mit 40 aufhören wollen, sondern einfach weniger Stress und mehr Kontrolle über ihre Zeit haben wollen. Coast FIRE gibt dir genau das. Kein Bullshit, keine Motivationsreden, nur eine Rechnung, die aufgeht, wenn du sie durchziehst.

Kostenlos · dein Wert

Freiheit ist keine Stimmung. Es ist eine Zahl.

Der Rechner sagt dir, wie viel im Monat reinkommen muss, damit du nicht mehr auf den Lohn angewiesen bist. Danach weisst du, worauf du eigentlich hinarbeitest.

Deine Freiheitszahl berechnen →

Lieber erst umsehen? Hier fängt alles an.