AlFiALPFIT.

Finanzen & Vermögensaufbau

Ehrlich. Ohne Bullshit.

Finanzielle Freiheit Zahl berechnen 4 Prozent Regel ehrlich

Fabian Waizenhöfer  ·  14 Min Lesezeit  ·  Guide
Finanzielle Freiheit Zahl berechnen 4 Prozent Regel: AlFi vor einem grossen Taschenrechner

Wenn du deine Finanzielle Freiheit Zahl berechnen 4 Prozent Regel googelst, bekommst du meist eine einzige Rechnung serviert: Jahresausgaben mal 25, fertig. Das ist ein guter Startpunkt. Aber es ist eben nur ein Startpunkt, und wer die Zahl blind übernimmt, rechnet sich im schlimmsten Fall reich.

Anzeige: Einige Links in diesem Artikel sind Partnerlinks. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts.

Finanzielle Freiheit Zahl berechnen 4 Prozent Regel: Wie geht das?

Du teilst deine jährlichen Ausgaben durch die Entnahmerate. Bei 4 Prozent entspricht das dem 25-Fachen deiner Ausgaben. Wer im Jahr 40’000 Franken braucht, kommt auf 1’000’000 Franken. Mehr steckt in der Grundformel nicht, und genau deshalb ist sie so beliebt.

Die Formel hat zwei Stellschrauben: deine Ausgaben und die Entnahmerate. An beiden wird gern geschummelt. Wer die Ausgaben zu tief ansetzt oder eine zu hohe Rate wählt, bekommt eine schöne, aber falsche Zahl. Die Rechnung ist einfach, die Ehrlichkeit dahinter ist der schwierige Teil.

Ich halte nichts davon, die Zahl als Ziellinie zu sehen, die man einmal berechnet und dann vergisst. Sie ist eine Arbeitshypothese, die du jedes Jahr prüfst. Ausgaben ändern sich, Märkte ändern sich, dein Leben ändert sich. Wer das akzeptiert, plant besser.

Mein Ziel dabei ist nicht der Ruhestand, sondern Unabhängigkeit. Der Job bleibt, bis die Zahl steht. Das ist eine Haltung, keine Rechnung, aber sie bestimmt, wie vorsichtig du bei der Rate sein darfst: Wer den Job behält, hat einen zusätzlichen Puffer.

Ein kleines Beispiel macht die Hebelwirkung sichtbar. 40’000 Franken im Jahr sind rund 3’333 Franken im Monat. Gibst du pro Monat nur 100 Franken mehr aus, steigen die Jahresausgaben um 1’200 Franken, und bei 4 Prozent wächst deine Zielzahl um 30’000 Franken. Kleine Gewohnheiten im Alltag bewegen die Zahl stärker, als die meisten denken.

Wenn du die Finanzielle Freiheit Zahl berechnen 4 Prozent Regel zum ersten Mal durchspielst, nimm dir bewusst Zeit dafür. Ich setze mich dafür an einem Sonntagabend mit Kaffee und Notizbuch hin, ohne Handy. Die Zahl, die dabei herauskommt, ist nie die Antwort, sondern der Anfang einer ehrlichen Diskussion mit mir selbst.

Woher kommt die 4-Prozent-Regel überhaupt?

Die Regel stammt aus US-Untersuchungen der 1990er-Jahre. Der Finanzplaner William Bengen veröffentlichte 1994 seine Berechnung zur sicheren Entnahme. Die sogenannte Trinity-Studie von Cooley, Hubbard und Walz aus dem Jahr 1998 bestätigte das Prinzip. Beide beruhen auf historischen US-Börsendaten.

Der Kern ist simpel: Du entnimmst im ersten Jahr 4 Prozent deines Depots. In den Folgejahren passt du den Betrag an die Inflation an, nicht an den Depotstand. Über 30 Jahre hätte das Geld in den historischen US-Daten fast immer gereicht.

Hier lauert der erste Irrtum: Die 4 Prozent sind keine Garantie. Sie sind das Ergebnis eines Rückblicks auf die Vergangenheit eines einzigen Marktes. Ob die nächsten Jahrzehnte genauso freundlich werden, weiss niemand. Wer das Wort „sicher“ liest, sollte innerlich ein „war historisch“ ergänzen.

Dazu kommt der Zeithorizont: Die Studien rechnen mit 30 Jahren Entnahmedauer. Das passt für jemanden, der mit Mitte 60 aufhört. Für alle anderen ist es ein Standard, der nicht automatisch zur eigenen Lage passt. Dazu gleich mehr.

Ein weiterer Punkt wird selten erwähnt: Die Daten stammen aus einem Land, das im 20. Jahrhundert wirtschaftlich besonders erfolgreich war. Andere Märkte haben schlechtere Phasen erlebt. Das heisst nicht, dass die Regel falsch ist. Es heisst nur, dass du sie als Orientierung nutzen solltest und nicht als Naturgesetz.

Die Eckdaten auf einen Blick

  • 25xJahresausgaben bei 4 % Entnahme, Rechenlogik von Bengen 1994
  • 3,9 %sichere Rate für 2026 laut Morningstar, Retirement Income Dez. 2025
  • 5,7 %mit flexiblen Ausgaben möglich, laut Morningstar
  • 30Jahre Laufzeit, auf die sich Trinity-Studie und Morningstar beziehen

Warum nennt Morningstar für 2026 nur 3,9 Prozent?

Weil Morningstar in seiner Studie zum Renteneinkommen vom Dezember 2025 für 2026 eine sichere Entnahmerate von 3,9 Prozent ausweist. Gemeint ist ein Portfolio mit 30 bis 50 Prozent Aktien, bei dem das Geld mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit 30 Jahre reicht.

Die 4 Prozent sind also leicht zu optimistisch, wenn du deine Ausgaben starr hältst. Der Unterschied wirkt klein, aber er kostet Geld. Bei 40’000 Franken Jahresausgaben sind 3,9 Prozent rund 1’025’641 Franken statt 1’000’000. Das sind gut 25’000 Franken mehr, die du ansparen musst.

Spannend wird es bei der Flexibilität. Laut Morningstar kann eine Rate von bis zu 5,7 Prozent funktionieren, wenn du in schlechten Börsenjahren weniger ausgibst und in guten mehr. Das ist ein gewaltiger Unterschied zur starren Entnahme.

Bengen selbst hält für heutige Ruheständler 5,25 bis 5,5 Prozent für vertretbar, andere Quellen nennen 4,7 bis 5 Prozent. Die Zusammenfassung von Cambridge Advisors aus 2026 zeigt eine Spanne der Forschung von 3,9 bis etwa 5,7 Prozent. Eine einzelne Zahl gibt es also nicht.

Für mich ist das die wichtigste Erkenntnis der ganzen Rechnung. Wenn selbst die Fachleute eine Spanne nennen, wäre es seltsam, wenn ich für mich eine einzige Zahl festnageln würde. Ich rechne deshalb mit einem Korridor und frage mich ehrlich, wie flexibel ich in schlechten Jahren wirklich wäre. Wer behauptet, er würde problemlos kürzen, sollte das vorher einmal üben.

Jährliche Ausgaben im Notizbuch erfassen für die Finanzielle Freiheit Zahl
Drei Münzstapel für drei verschiedene Entnahmeraten

Eine einzelne Zahl ist bequem. Eine Spanne ist ehrlich.

— meine Haltung zur Freiheitsrechnung

Welche Entnahmerate passt zu mir?

Das hängt vor allem von deinem Zeithorizont und deiner Flexibilität ab. Je länger das Geld reichen muss und je starrer deine Ausgaben sind, desto tiefer sollte die Rate liegen. Wer flexibel bleibt, darf höher rechnen. Deshalb rechne ich mit einer Spanne statt mit einem Wert.

Nimm drei Raten: 3,5, 4 und 4,7 Prozent. Bei 40’000 Franken Jahresausgaben ergibt das rund 1’142’857, 1’000’000 und 851’064 Franken. Die Differenz zwischen vorsichtig und mutig beträgt also fast 300’000 Franken. Das ist der Preis der Unsicherheit.

Wer früh aussteigt, braucht eine längere Laufzeit. Wer mit 40 aufhört, plant 50 Jahre oder mehr. In der Early-Retirement-Community, etwa bei Karsten Jeske von „Early Retirement Now“, sind dafür Raten von 3,25 bis 3,5 Prozent üblich. Das ist meine Einordnung aus dem Gedächtnis, ich habe es hier nicht neu geprüft.

Bei 3,25 Prozent und 40’000 Franken Ausgaben landest du bei rund 1’230’769 Franken. Du siehst: Der frühe Ausstieg verlangt deutlich mehr Kapital. Das ist keine Schikane, sondern Mathematik, die du beim Träumen vom frühen Ruhestand nicht überspringen darfst.

Zur Einordnung gehört auch die Reihenfolge der Jahre. Ein Börseneinbruch kurz nach Beginn der Entnahmen schadet viel mehr als derselbe Einbruch zehn Jahre später. Ökonomen nennen das Reihenfolgerisiko. Es ist der Grund, warum ein Puffer und eine flexible Ausgabenplanung mehr wert sind als eine Nachkommastelle in der Rate.

Praktisch heisst das: Entscheide dich nicht für die Rate, die dir am besten gefällt, sondern für die, mit der du nachts ruhig schläfst. Frag dich, ob du im schlechten Jahr bereit wärst, Reisen zu streichen oder das Auto länger zu fahren. Wenn ja, darfst du näher an die mutige Seite rücken. Wenn nein, bleib bei der vorsichtigen Rate und akzeptiere, dass du länger sparst.

Rechne beide Enden der Spanne auch rückwärts. Frag dich nicht nur, wie viel Kapital du brauchst, sondern auch, wie viel du bei deinem heutigen Vermögen entnehmen dürftest. Hast du zum Beispiel 500’000 Franken, sind das bei 4 Prozent 20’000 Franken im Jahr, bei 3,5 Prozent 17’500 Franken. Dieser Blick zeigt dir ehrlich, wie weit du schon bist, und motiviert mehr als eine ferne Millionenzahl.

Was gehört in die jährlichen Ausgaben?

Alles, was du im Leben ohne Erwerbseinkommen wirklich bezahlst: Wohnen, Essen, Krankenkasse, Steuern, Versicherungen, Mobilität, Freizeit und Rücklagen für Unvorhergesehenes. Die Ausgaben sind die wichtigste Zahl der ganzen Rechnung, denn sie wird mit 25 oder mehr multipliziert. Jeder vergessene Franken kostet dich 25 Franken Kapital.

Der häufigste Fehler: Die Rechnung nimmt die heutigen Ausgaben, während du arbeitest. Dabei fehlen oft die Krankenversicherung und die Pflege, die ohne Arbeitgeber komplett aus eigener Tasche kommen. Auch Ferien, Autoersatz und Reparaturen am Haus werden gern unterschlagen.

Meine Empfehlung: Führe mindestens drei Monate lang ein Haushaltsbuch, am besten ein Jahr. Ein einfaches Haushaltsbuch reicht völlig, du brauchst keine App mit zwölf Funktionen. Wichtig ist, dass du alles erfasst, auch die Kleinbeträge.

Die Inflation gehört ebenfalls dazu. Die Regel erhöht die Entnahme jedes Jahr um die Teuerung. Wer also heute 40’000 Franken ausgibt, braucht in einigen Jahren mehr, um dasselbe Leben zu führen. Das steckt in der Rate schon drin, aber nicht in deiner Ausgabenschätzung, wenn du sie zu knapp ansetzt.

Mit einem günstigen Tischrechner oder einer Tabelle rechnest du das in zehn Minuten durch. Ich halte es für sinnvoll, die Zahl auf Papier oder Bildschirm zu sehen. Eine Zahl im Kopf wirkt immer kleiner als eine, die schwarz auf weiss steht.

Teile die Ausgaben beim Erfassen in Kategorien auf und schau am Monatsende, wo du mit deiner Schätzung danebenlagst. Bei mir waren es nie die grossen Posten, sondern die vielen kleinen: der Kaffee unterwegs, die spontane Bestellung am Abend, das Abo, das ich vergessen hatte. Genau diese Beträge summieren sich über ein Jahr und wandern dann mal 25 in deine Zielzahl.

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Wenn ich am Sonntagabend die Kategorien durchgehe, sortiere ich zuerst die Fixkosten, dann die variablen Posten und zuletzt alles, was nur einmal im Jahr anfällt, wie Versicherungsprämien oder Reparaturen. Diese Jahresposten teile ich durch zwölf und lege sie als monatliche Zeile an. So verschwindet kein grosser Betrag mehr zwischen den Monaten, und die Jahresausgaben stimmen am Ende mit der Realität überein.

Wie rechne ich Steuern und Brutto gegen Netto richtig?

Die Entnahme von 4 Prozent ist eine Bruttozahl vor Steuern. Was am Ende zum Leben bleibt, ist weniger. Du solltest deine Ausgaben daher als Nettobetrag ansetzen und die Steuern auf Kursgewinne und Vermögen zusätzlich einrechnen. Wer das vergisst, landet zu tief.

In Deutschland fallen auf Kursgewinne 26,375 Prozent Abgeltungsteuer an, bei Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent, der Sparerpauschbetrag liegt bei 1’000 Euro. Das ist die Gesetzeslage aus meinem Wissen, ich habe sie für diesen Artikel nicht neu geprüft. Prüf sie vor jeder Entscheidung bei der Finanzverwaltung.

In der Schweiz zählt dagegen die Vermögenssteuer, die je nach Kanton unterschiedlich hoch ist. Auch hier gilt: Ich habe die Werte nicht neu geprüft, und ich gebe dir keine Kantonszahlen. Schau in den Steuerrechner deines Kantons, bevor du deine Freiheitszahl festnagelst.

Dazu kommt die Altersvorsorge. AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung), Pensionskasse und Säule 3a verändern, wann und wie viel Geld später fliesst. Wer vor dem regulären Alter aussteigt, muss die Lücke selbst überbrücken. Das ist ein zweiter Rechenschritt, den die Faustformel nicht kennt.

Ich rechne deshalb gern in zwei Zahlen: eine vorsichtige Variante mit Steuern und Krankenkasse, eine optimistische ohne Puffer. Zwischen beiden liegt dein Korridor. Das fühlt sich weniger sauber an als eine einzige Zahl, ist aber näher an der Realität.

Ein praktischer Weg: Setze die Steuern als eigene Zeile in deiner Ausgabenliste an, genau wie die Miete. So siehst du sofort, wie gross der Posten ist, und kannst später schauen, ob er sich durch einen anderen Wohnort oder eine andere Entnahmeform verändert. Bei der Finanzielle Freiheit Zahl berechnen 4 Prozent Regel wird dieser Punkt am häufigsten vergessen, und er verschiebt das Ergebnis oft am stärksten.

Wie baue ich einen Puffer gegen Börsencrashs?

Ein Puffer von ein bis zwei Jahresausgaben in Cash ist die einfachste Absicherung. Fällt der Markt, entnimmst du das Geld aus dem Puffer statt Aktien mit Verlust zu verkaufen. So gewinnt dein Depot Zeit, sich zu erholen.

Das ist die Grundidee hinter dem Guardrails-Ansatz: Du setzt Leitplanken. Fällt dein Depot stark, senkst du die Entnahme. Steigt es deutlich, darfst du etwas mehr ausgeben. Die Regel wird dadurch lebendig statt starr.

Das kostet Rendite, denn Cash arbeitet kaum. Aber es kauft dir Ruhe, und die ist bei einer Entnahmephase mehr wert als ein halbes Prozent mehr Ertrag. Wer nachts wegen Kursen wach liegt, hat die falsche Strategie gewählt.

Beim Aufbau selbst hilft ein regelmässiger Sparplan. Wie das mit schwankenden Kursen funktioniert, habe ich beim Cost-Average-Effekt erklärt. Für die Entnahmephase gilt das Gegenteil: Du verkaufst regelmässig, und der Puffer verhindert Zwangsverkäufe.

Bei 40’000 Franken Jahresausgaben heisst das konkret: 40’000 bis 80’000 Franken liegen als Reserve bereit und gehören nicht zum Aktienteil. Dieses Geld ist kein Fehler im Portfolio, sondern die Versicherung dafür, dass du im Crash nichts tun musst. Nichts tun zu können ist in einer schlechten Börsenphase oft die beste Entscheidung.

Cash-Puffer als Schutz bei der 4 Prozent Regel
Meine Empfehlung

Ein schlichtes Haushaltsbuch: Es kostet wenig und zwingt dich, deine echten Ausgaben aufzuschreiben, auf denen die ganze Rechnung beruht.

Wie komme ich Schritt für Schritt zu meiner Zahl?

Mit sechs Schritten, die du an einem ruhigen Abend durchgehen kannst. Du brauchst keine Software, nur ehrliche Zahlen und etwas Zeit. Das Wichtigste ist, dass du nicht schummelst: weder bei den Ausgaben noch bei der Rate. Hier der Ablauf, den ich dir empfehle.

  1. Echte Ausgaben erfassenFühre mindestens drei Monate lang jede Ausgabe nach. Schätzungen aus dem Kopf liegen fast immer zu tief, weil Kleinbeträge verschwinden.
  2. Fixkosten und Luxus trennenMiete, Krankenkasse und Essen sind Pflicht. Reisen und Hobbys sind variabel. Diese Trennung hilft dir später, in schlechten Jahren gezielt zu kürzen.
  3. Ausgaben ohne Job schätzenOhne Arbeitgeber fallen Posten an, die du heute kaum spürst. Setze sie ehrlich an und plane einen Aufschlag für Unvorhergesehenes ein.
  4. Durch die Entnahmerate teilenBei 4 Prozent ist das das 25-Fache. Bei 3,5 Prozent rund das 28,6-Fache. Der Rechenweg ist immer derselbe: Ausgaben geteilt durch Rate.
  5. Drei Raten durchrechnenNimm 3,5, 4 und 4,7 Prozent. Bei 40’000 Franken Ausgaben sind das 1’142’857, 1’000’000 und 851’064 Franken. Dein Zielkorridor liegt dazwischen.
  6. Puffer fest einplanenDer Puffer verhindert Zwangsverkäufe im Crash. Er gehört zur Zahl dazu, nicht obendrauf als Gedanke für später.

Was sind die häufigsten Irrtümer bei der Freiheitszahl?

Die meisten Fehler entstehen nicht in der Rechnung, sondern in den Annahmen. Die Formel selbst ist banal. Gefährlich sind die stillen Voraussetzungen, die jeder mitnimmt, ohne sie zu prüfen: Sicherheit, Zeithorizont, Steuern, Inflation. Hier sind die vier, die mir am häufigsten auffallen.

Vier Irrtümer rund um die 4 Prozent

  • Die 4 Prozent sind garantiert.Sie sind ein Rückblick auf US-Daten, keine Garantie.
  • 30 Jahre Laufzeit passen für jeden.Wer früh aufhört, braucht 50 Jahre und mehr.
  • Brutto ist gleich netto.Steuern senken die Entnahme, die dir bleibt.
  • Die Ausgaben bleiben für immer gleich.Inflation, Krankenkasse und Pflege steigen mit.

Der Irrtum mit den garantierten 4 Prozent ist der gefährlichste, weil er Sicherheit vortäuscht. Eine Rate ist eine Wahrscheinlichkeit, kein Versprechen. Selbst Morningstar spricht von 90 Prozent Wahrscheinlichkeit, nicht von 100. Ein Rest-Risiko bleibt immer, und dafür sind Puffer und Flexibilität da.

Den Zeithorizont unterschätzen viele, die früh aussteigen wollen. 30 Jahre sind ein guter Standard für den Ruhestand, aber nicht für ein Leben ab 40 ohne Erwerbseinkommen. Mit der Frage, ob dieser Weg überhaupt zu dir passt, setze ich mich im Beitrag zur Frugalismus-Kritik auseinander.

Die Inflation wird in den Köpfen oft ausgeblendet. Dabei verändert sie die Rechnung leise, aber stetig. Ein Betrag, der heute locker reicht, fühlt sich nach Jahren knapp an. Plane deshalb jedes Jahr eine Überprüfung ein, statt die Zahl einmal festzulegen.

Der vierte Irrtum, die Brutto-Netto-Verwechslung, ist der unauffälligste. Er taucht in keiner Tabelle als Fehler auf, weil die Tabelle ja korrekt rechnet. Der Fehler sitzt in der Frage, die du ihr stellst. Wer fragt, wie viel er entnehmen darf, bekommt eine Bruttozahl. Wer fragt, was ihm nach Steuern zum Leben bleibt, bekommt die Zahl, die er braucht.

Mein Rat: Schreib dir die vier Irrtümer auf einen Zettel und hake sie bei jeder Jahresprüfung ab. Es dauert fünf Minuten, aber es zwingt dich, jede stille Annahme einmal laut auszusprechen. Was du ausgesprochen hast, kannst du prüfen, und was du prüfst, kann dich nicht mehr überraschen.

Newsletter

Geld ohne Bullshit, direkt ins Postfach

Im Newsletter schreibe ich, welche Fehler ich beim Geld gemacht habe und welche Haltung mir dabei hilft. Ohne Hype, ohne Versprechen, mit ehrlicher Rechnung.

Newsletter abonnieren →

Warum arbeitet mein Geld besser als meine Zeit?

Weil Zeit eine Decke hat und Kapital nicht. Mein Leitsatz: Immer versuchen, etwas zu machen, das Geld für einen arbeitet, statt die eigene Zeit noch einmal zu verkaufen. Die Freiheitszahl ist am Ende nichts anderes als die Summe, ab der dein Geld genug Arbeit für dich übernimmt.

Das ist ein Fehler, den ich selbst gemacht habe: Ich hatte fünf Jobs, um Geld hereinzubringen. Mehr Stunden zu verkaufen ist der naheliegende Weg und der falsche. Er hat keine Decke nach oben, nur nach unten, weil dir irgendwann Kraft, Schlaf und Gesundheit ausgehen.

Deshalb setze ich auf mehrere Einkommensströme parallel statt auf einen einzigen. Das erhöht nicht nur das Einkommen, sondern senkt auch das Risiko, wenn eine Quelle wegbricht. Und es senkt die Zahl, die du brauchst, weil dein Ausgabenbedarf aus mehreren Quellen gedeckt wird.

Wichtig dabei: nicht alles auf einmal. Zu viel auf einmal ist der häufigste Fehler überhaupt, und ich kenne ihn gut. Ordnung, Struktur, Routine, Konsistenz, in dieser Reihenfolge. Wer erst Ordnung in seine Zahlen bringt, kommt später mit weniger Stress an die Freiheit.

Mit einem soliden Einsteiger-Buch zu ETFs (börsengehandelte Indexfonds) bekommst du die Grundlagen für den Vermögensaufbau günstig und ohne Verkaufsgespräch. Lies es mit Notizbuch, nicht mit Handy.

Ein Rechenbeispiel zeigt, wie stark ein Nebeneinkommen die Zahl drückt. Deckt eine zweite Quelle 2’000 Franken deiner Jahresausgaben, musst du bei 4 Prozent 50’000 Franken weniger Kapital aufbauen, weil 2’000 mal 25 genau das ergibt. Jeder Franken verlässlicher Zusatzeinnahmen ist also 25 Franken Depot wert. Das ist ein stärkerer Hebel, als an der Rendite zu drehen.

Ab wann ist die Zahl wirklich erreicht?

Wenn dein Vermögen die obere Grenze deiner Spanne erreicht hat, nicht wenn es die untere berührt. Wer schon bei der optimistischen Zahl aussteigt, verlässt sich darauf, dass alles gut geht. Ich empfehle, mindestens in die Mitte deines Korridors zu kommen, bevor du gross Entscheidungen triffst.

Dazwischen gibt es viele Zwischenstufen. Du musst nicht von hundert auf null: Du kannst Arbeitszeit reduzieren, Teilzeit arbeiten oder eine Nebentätigkeit behalten. Jede Stufe senkt die nötige Entnahme und damit deine Zahl. Freiheit ist selten ein Schalter, meist ein Regler.

Auch mein Ziel ist es, maximal eine Stunde Arbeit pro Tag aufzuwenden und den Rest zu automatisieren. Das ist mein Ablauf, nicht ein Versprechen. Mein Alltag bleibt: Vollzeitjob als Filialleiter, Training, abends ALPFIT. Aus diesem Alltag läuft alles, und die Zahl ist das Ziel, nicht die Ausrede.

Wer die Frage ernst nimmt, rechnet zweimal im Jahr neu. Einmal die Ausgaben, einmal die Rate. Dazu schaust du nach, ob sich Gesetze oder Steuern geändert haben. Das dauert eine Stunde und ist die beste Investition in deine Planung.

Ich schreibe mir dazu jedes Mal drei Zeilen ins Notizbuch: Wo stehe ich in meiner Spanne, was hat sich bei den Ausgaben verändert, und welche Entscheidung verschiebe ich bewusst noch. Diese drei Zeilen verhindern, dass ich mir die Lage schönrede. Wer die Finanzielle Freiheit Zahl berechnen 4 Prozent Regel ernst nimmt, behandelt sie wie einen Kontrollbesuch beim Arzt: regelmässig, nüchtern und ohne Drama.

Notizbuch, Stift und Kaffee für die eigene Freiheitsrechnung

Häufige Fragen

Ist die 4-Prozent-Regel noch aktuell?
Sie ist ein brauchbarer Startpunkt, aber keine Garantie. Morningstar nennt für 2026 eine sichere Rate von 3,9 Prozent bei starren Ausgaben, mit Flexibilität sind bis zu 5,7 Prozent möglich. Rechne deshalb mit einer Spanne, etwa 3,5, 4 und 4,7 Prozent, statt mit einer einzigen Zahl.
Wie viel Geld brauche ich bei 40’000 Franken Ausgaben?
Bei 4 Prozent sind es 1’000’000 Franken, bei 3,5 Prozent rund 1’142’857 und bei 4,7 Prozent etwa 851’064 Franken. Die Zahl hängt also stark von der gewählten Rate ab. Rechne Steuern und Krankenkasse in deine Ausgaben ein.
Gilt die Regel auch für einen Ausstieg mit 40?
Nur eingeschränkt. Die Regel stützt sich auf 30 Jahre Laufzeit. Wer früh aufhört, plant 50 Jahre oder mehr, dafür sind in der Early-Retirement-Community eher 3,25 bis 3,5 Prozent üblich. Das ist meine Einordnung, keine geprüfte Studie.

Fazit

Das glaubt mir keiner — aber die Freiheitszahl ist wichtiger als Prozente: Es geht nicht darum, die perfekte Zahl zu finden, sondern ehrlich zu rechnen. Ausgaben, Rate, Steuern, Zeithorizont, Puffer. Wer diese fünf sauber durchgeht, steht besser da als jeder, der blind mit 25 multipliziert.

Wenn du deine Finanzielle Freiheit Zahl berechnen 4 Prozent Regel nutzen willst, dann rechne mit einer Spanne, plane einen Puffer und prüfe die Zahl jedes Jahr neu. Beginne heute mit den Ausgaben, denn sie sind der Hebel, der alles bestimmt. Der Rest folgt Schritt für Schritt.

Kostenlos · dein Wert

Die Rechnung ist einfach. Deine Zahl kennst du trotzdem nicht.

Der Rechner sagt dir, wie viel im Monat reinkommen muss, damit du nicht mehr auf den Lohn angewiesen bist. Eine Zahl. Danach weisst du, worauf du eigentlich hinarbeitest.

Deine Freiheitszahl berechnen →

Lieber erst umsehen? Hier fängt alles an.

Newsletter

Mehr Klartext zu Geld und Freiheit

Jede Woche schreibe ich, was bei Geld, Training und Alltag wirklich funktioniert und welche Fehler ich selbst gemacht habe. Ehrlich, kurz und ohne Floskeln.

Newsletter abonnieren →