AlFiALPFIT.

Finanzen & Vermögensaufbau

Ehrlich. Ohne Bullshit.

Passives Einkommen mit ETF Ausschüttungen Mythos entlarvt

Fabian Waizenhöfer  ·  14 Min Lesezeit  ·  Mythos-Check
Passives Einkommen mit ETF Ausschüttungen Mythos: eine Münze wird aus dem Stapel genommen und ausgezahlt

Beim Thema passives Einkommen mit ETF Ausschüttungen Mythos verwechseln viele Männer Geld, das aufs Konto fliesst, mit Geld, das wirklich dazukommt. Die Auszahlung fühlt sich an wie ein Lohn, den das Depot dir überweist. Gerechnet ist sie aber etwas anderes: dein eigenes Geld, nur an einen anderen Ort verschoben.

Ich schreibe das ohne Zahlen aus meinem Depot, denn die gehören nicht in einen Blog. Dafür bekommst du Rechenbeispiele, die du selbst nachprüfen kannst, und eine klare Haltung. Mein Leitsatz bei Geld ist simpel: Ich will etwas aufbauen, das für mich arbeitet, statt meine Zeit noch einmal zu verkaufen.

Genau deshalb lohnt sich der Blick auf Ausschüttungen. Sie sind kein Betrug und kein Fehler. Aber sie sind auch kein Zaubertrick. Wer den Unterschied versteht, plant seine Finanzen ruhiger und zahlt weniger unnötige Steuern.

Der Artikel ist so aufgebaut, dass du ihn Schritt für Schritt durcharbeiten kannst. Zuerst klären wir, was bei einer Ausschüttung technisch passiert. Dann schauen wir auf Steuern, auf die Wahl zwischen ausschüttend und thesaurierend und auf die Frage, wie viel Kapital du für ein monatliches Einkommen brauchst. Am Ende steht ein einfacher Ablauf, den du an einem Abend aufsetzen kannst. Du brauchst dafür keine Vorkenntnisse, nur Stift, Papier und die Bereitschaft, ehrlich zu rechnen.

Anzeige: Einige Links in diesem Artikel sind Partnerlinks. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts.

Passives Einkommen mit ETF Ausschüttungen Mythos: Was ist wirklich dran?

Kurz gesagt: Ausschüttungen sind echte Auszahlungen, aber kein zusätzliches Einkommen. Ein ETF (börsengehandelter Indexfonds) besitzt viele Aktien. Diese Firmen zahlen Dividenden, der Fonds sammelt sie und gibt sie an dich weiter. Dein Vermögen wird dadurch nicht grösser, es wechselt nur die Form.

Der Mythos lautet: Mit einem ausschüttenden ETF baue ich mir ein Einkommen auf, das ich nie anrühren muss. Du hältst die Anteile, es kommt Geld, du lebst davon. Klingt gut. Der Haken: Die Ausschüttung kommt aus dem Fondsvermögen, und das Fondsvermögen gehört dir.

Stell dir zwei Geldbörsen vor. In der linken liegt dein Depot, in der rechten dein Konto. Eine Ausschüttung nimmt Geld aus der linken und legt es in die rechte. Du bist danach keinen Franken reicher. Du hast nur umgeräumt, und manchmal kostet dich das Umräumen sogar Steuern.

Warum hält sich der Mythos so zäh? Weil Auszahlungen sichtbar sind. Du siehst die Gutschrift, aber nicht, dass der Kurs im selben Moment fällt. Das Gehirn zählt, was ankommt, und übersieht, was verschwindet. Das ist menschlich, aber es führt zu falschen Entscheidungen.

Ich kenne das Gefühl aus eigener Erfahrung. Wenn abends nach der Arbeit im Laden eine Gutschrift auf dem Konto auftaucht, freut man sich, auch wenn man weiss, woher sie kommt. Genau dieses kleine Hochgefühl ist der Grund, warum Anbieter und Finanzportale so gern mit Auszahlungen werben. Es verkauft sich leichter als ein nüchterner Hinweis auf die Gesamtrendite.

Hinzu kommt ein Vergleich mit dem Arbeitsleben, der hinkt. Ein Lohn entsteht, weil du Zeit gegen Geld tauschst, und danach bist du reicher. Eine Ausschüttung entsteht, weil das Depot einen Teil seines Werts in Bargeld umwandelt. Wer beides in einen Topf wirft, plant mit einer Zahl, die es so nicht gibt.

Am Ausschüttungstag sinkt der ETF-Kurs um den Betrag der Ausschüttung
Gelassen: Anteile verkaufen statt auf Ausschüttungen zu warten

Was passiert am Ausschüttungstag mit dem Kurs?

Am Ausschüttungstag sinkt der Kurs des ETFs ungefähr um den Betrag, der ausgezahlt wird. Das Geld verlässt das Fondsvermögen, also ist jeder Anteil entsprechend weniger wert. Dein Gesamtvermögen vor Steuern bleibt gleich: etwas weniger im Depot, genau so viel mehr auf dem Konto.

Ein Rechenbeispiel, ohne Anspruch auf Realismus bei den Zahlen: Dein Depot ist 100’000 Franken wert. Der ETF schüttet 2 Prozent aus, also 2’000 Franken. Danach liegen 98’000 Franken im Depot und 2’000 auf dem Konto. Summe: weiterhin 100’000. Es ist nichts dazugekommen.

Dahinter steckt eine alte Idee der Finanzwissenschaft. Die Ökonomen Merton Miller und Franco Modigliani haben 1961 gezeigt, dass die Dividendenpolitik eines Unternehmens den Gesamtwert für Aktionäre in einer idealen Welt nicht verändert. Die Praxis hat Steuern und Gebühren, die Grundlogik bleibt trotzdem gültig.

Das bedeutet nicht, dass Dividenden schlecht sind. Firmen, die Gewinne ausschütten, sind oft solide. Aber ob du die Gewinne als Auszahlung oder als Kursanstieg bekommst, ist wirtschaftlich zunächst egal. Entscheidend ist die Gesamtrendite, also Kursentwicklung plus Ausschüttung.

Du kannst den Effekt selbst beobachten. Schau dir den Kursverlauf eines ausschüttenden ETFs rund um den Ausschüttungstag an. Du findest das Datum beim Anbieter oder in der Depotübersicht. Öffne den Kurschart am Morgen davor und am Morgen danach, notiere beide Zahlen in dein Notizbuch und rechne die Differenz aus. Sie liegt ungefähr bei der Ausschüttung pro Anteil. Kursschwankungen des normalen Handelstags überlagern das Bild, deshalb ist es eine Annäherung und keine exakte Gleichung.

Wichtig ist auch, was du daraus nicht ableiten darfst. Du kannst nicht kurz vor dem Stichtag kaufen, die Ausschüttung einstreichen und danach verkaufen, um damit Gewinn zu machen. Der Kurs fällt ja genau um diesen Betrag, und die Steuer fällt trotzdem an. Der Trick wäre ein reines Verlustgeschäft.

Eine Ausschüttung ist keine Zusatzrendite. Sie ist umgebuchtes eigenes Geld.

— meine Einordnung

Ist eine hohe Ausschüttungsrendite ein Qualitätsmerkmal?

Nein. Eine hohe Ausschüttungsrendite sagt nur, wie viel ein Fonds im Verhältnis zum Kurs auszahlt, nicht wie gut er ist. Entscheidend bleibt die Gesamtrendite nach Kosten und Steuern. Ein Fonds mit hoher Auszahlung kann schlechter abschneiden als einer, der kaum etwas ausschüttet.

Gerade Dividenden-ETFs werben gern mit der Auszahlungsquote. Das spricht Männer an, die schnell Ergebnisse sehen wollen. Ich halte das für einen Marketingtrick, der auf ein Gefühl zielt statt auf Zahlen. Prüf bei jedem Fonds die Gesamtrendite über lange Zeiträume und die laufenden Kosten, nicht den Auszahlungsbetrag.

Wie gut Dividendenstrategien gegenüber dem breiten Markt abschneiden, wird regelmässig untersucht. Der Index-Anbieter S&P Global mit seinem SPIVA-Bericht zeigt zum Beispiel, wie schwer es ist, den Gesamtmarkt dauerhaft zu schlagen. Lies die Berichte selbst, statt auf Werbeversprechen zu vertrauen.

Mein Urteil: Wer einen breiten Weltindex kauft, bekommt Dividendenfirmen sowieso mit. Eine zusätzliche Wette auf hohe Auszahlungen bringt keinen belegten Vorteil, dafür oft weniger Streuung. Das würde ich niemandem als Einkommensplan empfehlen.

Ein weiterer Punkt: Eine auffallend hohe Auszahlungsquote kann auch ein Warnsignal sein. Sinkt der Kurs einer Firma, steigt rechnerisch ihre Dividendenrendite, obwohl es ihr schlechter geht. Wer nur auf die Prozentzahl schaut, kauft dann ausgerechnet die Unternehmen, die gerade Wert verloren haben. Frag dich bei jeder Zahl, woher sie kommt, und nicht nur, wie hoch sie ist.

Die Eckdaten im Überblick

  • 1961Jahr der Dividenden-Irrelevanz-These — Modigliani und Miller
  • 35 %Verrechnungssteuer auf Schweizer Ausschüttungen, rückforderbar — ESTV
  • 25 %Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge in Deutschland — EStG §32d
  • 4 %Faustregel Entnahmerate — Trinity-Studie, 1998

Wie werden Ausschüttungen besteuert – in der Schweiz und in Deutschland?

In der Schweiz sind Ausschüttungen steuerbares Einkommen, Kursgewinne bei Privatanlegern in der Regel nicht. Das macht Auszahlungen für Gutverdiener oft teurer. In Deutschland gilt eine Abgeltungsteuer. Wichtig ist, dass du deine Regeln kennst, denn sie entscheiden, was von der Ausschüttung übrig bleibt.

Ich gehe hier bewusst nur auf die beiden Länder ein, die für die meisten Leser relevant sind, und nur auf die Grundzüge. Steuerrecht ändert sich, und Kantone sowie Bundesländer haben ihre eigenen Besonderheiten. Behandle die folgenden Zahlen deshalb als Orientierung und nicht als Beratung.

Schweiz: Ausschüttungen werden mit deinem übrigen Einkommen zusammengezählt und zu deinem persönlichen Satz besteuert. Auf Schweizer Erträge wird zuerst die Verrechnungssteuer von 35 Prozent abgezogen. Du bekommst sie zurück, wenn du die Erträge korrekt deklarierst. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) erklärt das Verfahren.

Ein Beispiel mit angenommenem Satz: Liegt dein Grenzsteuersatz bei 25 Prozent, bleiben von 2’000 Franken Ausschüttung nach Steuer 1’500 übrig. Bei ausländischen Fonds kommen Quellensteuern dazu. Welche Regeln für deinen Fonds und deinen Kanton gelten, solltest du bei deinem Steueramt oder in der Kursliste der ESTV prüfen.

Deutschland: Hier fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an, geregelt in §32d des Einkommensteuergesetzes. Bei Aktien-ETFs sind 30 Prozent der Erträge teilfreigestellt. Der Sparer-Pauschbetrag lag zuletzt bei 1’000 Euro pro Person. Den aktuellen Wert findest du beim Bundesministerium der Finanzen.

Die Teilfreistellung gilt für ausschüttende und thesaurierende Fonds gleichermassen. Sie ist also nicht der Hauptunterschied zwischen beiden. Österreich arbeitet mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer. Ich bin kein Steuerberater, deshalb gilt: Zahlen prüfen, bevor du darauf planst.

Praktisch heisst das: Heb alle Abrechnungen deines Anbieters auf und leg sie in einen Ordner. Wer im Frühling die Steuererklärung ausfüllt, braucht die Ertragsübersicht des Vorjahres. Wer sie nicht findet, verliert Zeit und riskiert, dass Rückforderungen wie die Verrechnungssteuer liegen bleiben. Ein Abend Ordnung im Jahr kostet wenig und erspart dir Ärger.

Ein Teil der Ausschüttung geht an die Steuer: Glas mit Münzen und abgezweigtem Anteil

Thesaurierend oder ausschüttend: Was ist langfristig besser?

Auf lange Sicht ist ein thesaurierender ETF meist im Vorteil, weil die Erträge sofort weiterarbeiten. Bei einem ausschüttenden Fonds wird zuerst versteuert, dann reinvestiert. Der Unterschied ist klein, aber er wirkt jedes Jahr. Die genaue Wirkung hängt von deinem Steuersatz und deinem Wohnort ab.

Beim Thesaurierer bleibt das Geld im Fonds, die Erträge erhöhen den Kurs, und der Zinseszins läuft auf dem ganzen Betrag. Beim Ausschütter schrumpft der reinvestierte Betrag jedes Jahr um die Steuer. Das ist kein dramatischer Verlust, aber über Jahrzehnte spürbar.

Dazu kommt ein Verhaltensvorteil. Wer Ausschüttungen aufs Konto bekommt, gibt sie leichter aus. Das Geld wirkt wie Taschengeld. Ein Thesaurierer zwingt dich dazu, bewusst zu verkaufen, wenn du Geld brauchst. Diese kleine Hürde schützt dein Vermögen vor dir selbst.

Der Haken: In Deutschland wird beim Thesaurierer die Vorabpauschale fällig, die sich am Basiszins des Bundesfinanzministeriums orientiert. Der Betrag ist meist klein, aber er kann anfallen. In der Schweiz ist die Behandlung thesaurierter Erträge je nach Fonds unterschiedlich. Prüf das vor dem Kauf, nicht danach.

Wann passt ein Ausschütter trotzdem? Wenn du bewusst laufende Auszahlungen brauchst und dein Steuersatz tief ist, oder wenn dein Anbieter keine Thesaurierer für deinen Markt hat. Es gibt kein Verbot. Es gibt nur die Frage, ob du den Grund kennst und nicht bloss das gute Gefühl.

Nimm das frühere Beispiel mit 2’000 Franken Ausschüttung und 25 Prozent Steuer. Beim Ausschütter landen 1’500 Franken wieder im Depot, beim Thesaurierer arbeiten in dieser Rechnung zunächst die vollen 2’000 weiter. Die Differenz von 500 Franken wirkt klein. Wiederholt sie sich Jahr für Jahr, und läuft der Zinseszins darauf, wird daraus eine spürbare Lücke. Die Zahlen sind angenommen, die Logik ist aber dieselbe wie in echten Depots.

Was ist die Alternative: Anteile verkaufen statt Ausschüttung?

Wer Geld aus dem Depot braucht, kann bei einem thesaurierenden ETF einfach Anteile verkaufen. Man nennt das Eigenbau-Dividende. Du entscheidest Höhe und Zeitpunkt selbst. Steuerlich wird oft nur der Gewinnanteil erfasst, nicht der ganze Verkaufsbetrag. Das gibt mehr Kontrolle als jede feste Ausschüttung.

Der Vorteil liegt in der Steuerung. Eine Ausschüttung kommt, wann der Fonds will. Ein Verkauf kommt, wann du es brauchst. Fällt das Auto aus oder steht eine Reise an, verkaufst du mehr. Läuft alles ruhig, verkaufst du weniger. Das ist flexibler und planbarer.

In der Schweiz ist das besonders interessant, weil private Kapitalgewinne in der Regel steuerfrei sind. Ob das für deinen Fonds vollständig gilt, hängt von der Art des Fonds ab, etwa bei thesaurierten Erträgen. Hier lohnt der Blick in die ESTV-Kursliste, bevor du dich festlegst.

Ich halte diesen Ansatz für den ehrlicheren. Er sagt dir klar: Du entnimmst Vermögen, das du dir aufgebaut hast. Das ist kein Einkommen im Schlaf, aber es ist ein planbarer Ablauf. Und genau diese Klarheit schützt dich vor dem Irrtum, der Fonds würde dich dauerhaft ernähren.

So sieht ein einfacher Ablauf aus: Du legst einmal im Jahr fest, wie viel Geld du in den nächsten zwölf Monaten brauchst. Dann verkaufst du die entsprechenden Anteile in einem Schritt oder verteilst den Verkauf auf ein paar Termine. Brauchst du zum Beispiel 2’000 Franken, verkaufst du Anteile im Wert von 2’000 Franken. Das Ergebnis auf dem Konto ist dasselbe wie bei der Ausschüttung, nur dass du Zeitpunkt und Höhe bestimmt hast und nicht der Fonds.

Wichtig ist, dass du die Verkäufe nicht aus dem Bauch heraus tätigst. Verkaufe nicht mehr, nur weil der Kurs gerade hoch steht, und lass es nicht ganz, nur weil er gefallen ist. Ein fester Termin im Kalender, zum Beispiel an einem ruhigen Sonntagabend, nimmt die Emotion raus. Ich trage solche Termine ein wie einen Trainingstermin: Er steht, und ich verhandle nicht mit mir selbst.

Meine Empfehlung

Bevor du Fonds vergleichst, lies ein solides Grundlagenbuch: ein verständliches ETF-Buch für Einsteiger. Es erklärt die Logik hinter Ausschüttung und Gesamtrendite, ohne dir ein Produkt zu verkaufen.

Wie viel Kapital brauche ich für 1’000 Franken im Monat?

Mit der gängigen 4-Prozent-Faustregel brauchst du für 1’000 Franken im Monat rund 300’000 Franken Kapital. Die Rechnung: 12’000 Franken im Jahr geteilt durch 0,04 ergibt 300’000. Das ist eine Faustregel aus der Trinity-Studie von 1998, keine Garantie. Märkte schwanken, deshalb bleibt es eine Annahme.

Die Trinity-Studie untersuchte amerikanische Daten und fragte, wie viel man jährlich entnehmen kann, ohne das Kapital über Jahrzehnte aufzubrauchen. Die 4 Prozent sind ein Orientierungswert. Spätere Untersuchungen kamen teilweise zu anderen Ergebnissen, je nach Markt, Zeitraum und Kosten. Lies sie selbst nach, bevor du darauf baust.

Ein zweites Rechenbeispiel zeigt, wie lange der Weg dauert. Legst du 500 Franken im Monat zurück, sind es 6’000 Franken im Jahr. Ohne jede Rendite bräuchtest du für 300’000 Franken 50 Jahre. Rendite verkürzt das, aber sie ist nicht garantiert. Wer ehrlich rechnet, sieht: Der Weg ist lang und verlangt Konstanz.

Das ist kein Grund zum Aufgeben. Es ist ein Grund, die Erwartung richtig zu setzen. Ich glaube nicht an schnelle Zahlen. Ich glaube an Ordnung, Struktur, Routine und Konsistenz, in dieser Reihenfolge. Wie ein regelmässiger Einstieg die Schwankung glättet, habe ich beim Cost-Average-Effekt beschrieben.

Rechne die Faustregel auch einmal rückwärts durch. Willst du 500 Franken im Monat entnehmen, sind das 6’000 Franken im Jahr, und mit 4 Prozent kommst du auf 150’000 Franken Kapital. Das Ziel halbiert sich, wenn du das Einkommen halbierst. Das hilft, wenn dich die grosse Zahl entmutigt: Ein kleineres Ziel ist ein erster, ehrlicher Meilenstein und kein schlechterer Plan.

Und noch eine Warnung zur Faustregel: Sie rechnet mit Entnahmen aus dem Gesamtvermögen, nicht nur mit Ausschüttungen. Wer nur von den Ausschüttungen leben will, braucht bei einer Ausschüttungsrendite von 2 Prozent für dieselben 12’000 Franken rechnerisch 600’000 Franken, also das Doppelte. Das zeigt, wie sehr der Mythos die Rechnung verzerrt, wenn man ihn wörtlich nimmt.

Mythos gegen Wirklichkeit

  • Ausschüttung ist ZusatzgeldAusschüttung ist umgebuchtes eigenes Geld
  • Hohe Ausschüttung heisst hohe RenditeDie Gesamtrendite zählt, nicht die Auszahlung
  • Thesaurierer bringen kein EinkommenVerkaufte Anteile ersetzen die Ausschüttung
  • Mit ETF ist Einkommen komplett passivKapital schwankt, du musst Entscheide treffen

Ist das Einkommen aus ETFs wirklich passiv?

Nur halb. Passiv ist der laufende Betrieb: Du musst keine Firma führen und keine Stunden verkaufen. Aktiv bleibt alles drumherum: Kapital aufbauen, Steuern klären, Entnahmen anpassen und in schwachen Jahren Nerven behalten. Das Kapital schwankt, und dein Einkommen damit auch.

Hier liegt der Kern meiner Haltung. Ich will, dass Geld für mich arbeitet, statt dass ich noch mehr Zeit verkaufe. Ich habe selbst den Fehler gemacht, mit fünf Jobs gleichzeitig Geld hereinzuholen. Das ist der naheliegende Weg und der falsche, weil er nach oben keine Decke hat, nur nach unten.

Vermögen, das arbeitet, ist die bessere Antwort. Aber es ist ein langer Aufbau und kein Schalter. Der Job bleibt in meinem Fall, bis die Zahl steht. Mein Ziel ist nicht Ruhestand, sondern Unabhängigkeit. Das ist ein grosser Unterschied, und er verhindert Fehlentscheide aus Ungeduld.

Wie weit dieser Gedanke gehen kann, zeigt die Debatte um den Frugalismus. Dort sieht man schön, was passiert, wenn jemand sein Leben komplett nach einer Entnahmezahl ausrichtet. Ich halte Extreme für Phasen, nicht für einen Ablauf, den du jahrelang durchhältst.

Dazu kommt das Verhaltensrisiko. Fällt der Markt, fällt auch der Wert deiner Anteile. Wer dann in Panik verkauft, macht aus einem Buchverlust einen echten Verlust. Passives Einkommen aus ETFs verlangt also vor allem eine Fähigkeit: nichts tun, wenn alle anderen etwas tun.

Beim passiven Einkommen mit ETF Ausschüttungen Mythos geht es deshalb nicht darum, ETFs schlechtzureden. Ein breiter Indexfonds ist für mich ein sehr vernünftiges Werkzeug. Der Fehler liegt in der Erwartung, die man daran knüpft. Wer glaubt, nach dem Kauf müsse er nie wieder hinschauen, wird beim ersten Kursrückgang überrascht. Wer dagegen weiss, dass er einmal im Jahr Zahlen prüft und Entnahmen anpasst, bleibt gelassen.

Mein eigener Alltag zeigt, wie das aussieht. Ich arbeite als Filialleiter, trainiere und schreibe abends für ALPFIT. Für das Geld bleibt wenig Zeit, deshalb muss der Ablauf einfach sein: ein Dauerauftrag, ein breiter Fonds und ein fester Termin im Jahr für die Kontrolle. Alles darüber hinaus kostet Zeit, die ich lieber für Schlaf, Familie oder Training verwende.

Newsletter

Geld ohne Bullshit, direkt ins Postfach

Im Newsletter schreibe ich über das, was beim Vermögensaufbau wirklich funktioniert, und über die Fehler, die ich selbst gemacht habe. Kurz, konkret und ohne Verkaufsmasche.

Newsletter abonnieren →

Wie gehe ich es an, ohne mich zu verzetteln?

Der häufigste Fehler überhaupt ist, zu viel auf einmal zu wollen. Auch beim Geld. Starte mit einer klaren Zielzahl, einem breiten Fonds und einem festen Dauerauftrag. Alles andere ist Feinschliff. Wer mit zehn Dingen anfängt, hört meist mit allen auf.

  1. Zielzahl in Franken festlegenSchreib auf, wie viel Einkommen pro Monat du aus dem Vermögen entnehmen willst. Rechne das Kapital rückwärts aus, zum Beispiel mit der 4-Prozent-Faustregel. So wird aus einem Gefühl eine überprüfbare Zahl.
  2. Gesamtrendite statt Auszahlung prüfenSchau dir Kursentwicklung plus Ausschüttung über lange Zeiträume an. Ziehe die laufenden Kosten ab. Die Höhe der Auszahlung allein sagt dir nichts über die Qualität.
  3. Steuerregeln für dich klärenPrüfe, wie Ausschüttungen und thesaurierte Erträge bei dir besteuert werden. In der Schweiz hilft das Steueramt deines Kantons, in Deutschland die Seite des Finanzministeriums. Plane erst danach mit Zahlen.
  4. Fondsvariante bewusst wählenEntscheide dich für eine Variante, weil du den Grund kennst, nicht weil sie sich besser anfühlt. Für den Aufbau ist meist der Thesaurierer sinnvoll. Für laufende Auszahlungen später kannst du Anteile verkaufen.
  5. Regelmässig und automatisch einzahlenRichte einen Dauerauftrag ein, der am Zahltag läuft. Wer Disziplin braucht, hat schon verloren. Wer Ablauf hat, braucht keine.
  6. Entnahme erst planen, wenn Zahl stehtSolange du aufbaust, bleibt alles im Depot. Erst wenn das Zielkapital steht, legst du eine Entnahmerate fest und überprüfst sie jedes Jahr. Das schützt dich vor einem zu frühen Start.

Zum Durchrechnen reichen ein einfacher Taschenrechner und ein Notizbuch. Beides kostet zusammen weniger als ein Abendessen. Du musst nichts Teures kaufen, um Ordnung in deine Zahlen zu bringen.

Wer seine Ausgaben im Griff haben will, bevor er investiert, greift zu einem Haushaltsbuch. Du siehst schwarz auf weiss, wie viel du wirklich zurücklegen kannst. Das ist wichtiger als jede Fondsauswahl.

Wer sich tiefer einlesen will, findet in einem Buch über finanzielle Freiheit und Investieren genug Stoff für mehrere Abende. Und ein Ordner für deine Steuerunterlagen spart dir im Frühling Nerven, wenn du Erträge deklarieren musst.

Setz dir für den Start einen einzigen Abend. Nimm dir etwa eine Stunde, schreib die Zielzahl auf, rechne das Kapital rückwärts aus und trag den Dauerauftrag ein. Mehr braucht es für den Anfang nicht. Das Feintuning, also Fondsvergleich und Steuerdetails, kannst du in den Wochen danach in kleinen Portionen erledigen. So bleibt der Einstieg machbar, auch wenn du nach einem langen Arbeitstag müde bist.

Schreibtisch mit Notizbuch und Taschenrechner zum Durchrechnen der Entnahme

Was gehört in die Praxis: Ordnung zuerst, Rendite danach?

Ja. Ein sauberer Ablauf schlägt jede clevere Fondsidee. Wer Einnahmen, Ausgaben und Sparrate kennt, trifft bessere Entscheide. Ordnung kommt vor Struktur, Struktur vor Routine, Routine vor Konsistenz. Dieselbe Reihenfolge gilt bei Training und bei Geld. Motivation ist dabei kein Plan.

Das ist übrigens dasselbe Muster, das ich bei Menschen sehe, die nicht anfangen: Sie warten auf den perfekten Moment. Wie du diese Bremse löst, habe ich bei der Prokrastination beschrieben. Beim Geld ist ein unperfekter Start fast immer besser als gar keiner.

Gleichzeitig würde ich niemandem raten, sein ganzes Leben auf eine Zahl zu trimmen. Mein Alltag besteht aus Vollzeitjob als Filialleiter, Training und abends ALPFIT. Mein Ziel sind maximal eine Stunde Arbeit pro Tag und der Rest automatisiert. Das erreicht man nicht durch Verzicht auf alles, sondern durch einen Ablauf, der trägt.

Prüfe deshalb jährlich einmal, ob Plan und Leben noch zusammenpassen. Verändert sich dein Einkommen, deine Familie oder dein Risikoempfinden, darf sich die Strategie ändern. Ein Plan, den du nicht mehr durchhältst, ist kein Plan mehr.

Ein kurzer Jahrescheck dauert bei mir nicht lang. Ich schaue auf drei Dinge: Ist die Sparrate noch dieselbe? Haben sich die Kosten des Fonds verändert? Und passt die geplante Entnahme noch zu dem, was ich wirklich brauche? Wenn ich alle drei Fragen mit Ja beantworte, tue ich bis zum nächsten Jahr nichts. Dieses bewusste Nichtstun ist der eigentliche passive Teil.

Häufige Fragen

Sind Ausschüttungen aus ETFs passives Einkommen?
Nur eingeschränkt. Die Auszahlung kommt ohne Arbeit, aber sie stammt aus deinem eigenen Fondsvermögen, dessen Kurs am Ausschüttungstag sinkt. Du musst das Kapital aufbauen, Steuern klären und Entnahmen steuern. Ich würde es eher als planbare Entnahme aus aufgebautem Vermögen bezeichnen als als Einkommen im Schlaf.
Ist ein thesaurierender ETF besser als ein ausschüttender?
Für den Vermögensaufbau meist ja, weil Erträge sofort weiterarbeiten und nicht vorher versteuert werden. Der Unterschied ist aber klein und hängt von Wohnort und Steuersatz ab. Prüfe die Regeln für deinen Fonds beim Steueramt oder beim Finanzministerium, bevor du dich festlegst.
Wie viel Kapital brauche ich für 1’000 Franken im Monat?
Mit der 4-Prozent-Faustregel aus der Trinity-Studie von 1998 sind es rund 300’000 Franken. Die Rechnung lautet 12’000 Franken im Jahr geteilt durch 0,04. Es ist eine Orientierung, keine Garantie, denn Märkte schwanken und Entnahmeraten gelten nicht für jeden Zeitraum gleich.

Fazit

Das glaubt mir keiner — aber die ehrlichste Antwort auf den Mythos lautet: Ausschüttungen sind kein Gratisgeld. Beim Thema passives Einkommen mit ETF Ausschüttungen Mythos zählt nicht, was auf dem Konto landet, sondern was dein Gesamtvermögen nach Kosten und Steuern macht.

Ich rate dir: Rechne mit der Gesamtrendite, kenne deine Steuerregeln, und entnimm erst dann, wenn das Kapital steht. Setz auf Ordnung, Struktur, Routine und Konsistenz. Alles andere ist ein gutes Gefühl, aber kein Plan. Mehr Klartext zu Geld bekommst du regelmässig im Newsletter.

Kostenlos · dein Wert

Die Rechnung ist einfach. Deine Zahl kennst du trotzdem nicht.

Der Rechner sagt dir, wie viel im Monat reinkommen muss, damit du nicht mehr auf den Lohn angewiesen bist. Eine Zahl. Danach weisst du, worauf du eigentlich hinarbeitest.

Deine Freiheitszahl berechnen →

Lieber erst umsehen? Hier fängt alles an.

Newsletter

Klartext zu Geld, Körper und Alltag

Jede Woche schreibe ich auf, was im Training und beim Geld funktioniert und welche Fehler ich selbst gemacht habe. Ehrlich, kurz und ohne Floskeln.

Newsletter abonnieren →